Sony WH-1000XM5 im Test 2026: Bestes ANC, aber zu viele Kompromisse für den Preis
Einleitung
Wir haben die Sony WH-1000XM5 über drei Wochen im Alltag getestet – im Zug, im Homeoffice, auf Langstreckenflügen und beim Sport. Die fünfte Generation von Sonys Noise-Cancelling-Flaggschiff kostet aktuell 279 Euro und positioniert sich damit im oberen Mittelfeld der Premium-Kopfhörer. Der Vorgänger XM4 ist mittlerweile für etwa 200 Euro zu haben, was die Frage aufwirft: Lohnt sich der Aufpreis wirklich?
Sony verspricht verbesserte Geräuschunterdrückung durch acht statt sechs Mikrofone, längere Akkulaufzeit und optimierten Klang. Im Test sollte sich zeigen, ob diese Verbesserungen im Alltag spürbar sind oder ob es sich nur um Marketing-Versprechen handelt. Überrascht hat uns tatsächlich die Sprachqualität bei Telefonaten – hier hat Sony deutlich nachgebessert. Enttäuscht waren wir hingegen vom fehlenden Klappgelenk, das den Transport umständlicher macht als beim Vorgänger. Die Materialmischung aus Plastik und Kunstleder wirkt für knapp 280 Euro nicht besonders hochwertig, auch wenn die Haptik solide ist. Nach zwei Wochen intensiver Nutzung zeigten sich erste Gebrauchsspuren an den Ohrpolstern, was bei diesem Preis nicht passieren sollte.
Design und Verarbeitung
Die WH-1000XM5 sind mit 250 Gramm etwa zehn Gramm leichter als der Vorgänger, was sich bei mehrstündigen Sessions durchaus bemerkbar macht. Sony hat das Design komplett überarbeitet: Die Bügel sind nun deutlich schlanker, fast schon filigran. Das sieht moderner aus, wirkt aber auch weniger robust. Wir haben die Kopfhörer nicht absichtlich malträtiert, aber bei normalem Gebrauch knarzt gelegentlich der linke Bügel – ein Problem, das wir vom XM4 nicht kannten.
Die Ohrmuscheln bestehen aus mattem Kunststoff, der Fingerabdrücke magisch anzieht. Nach zwei Tagen sehen die Kopfhörer bereits benutzt aus. Die Polster sind mit Kunstleder bezogen, das sich angenehm anfühlt, aber nach etwa einer Stunde bei Raumtemperaturen über 23 Grad zu schwitzen beginnt. Im direkten Vergleich mit den Bose QuietComfort Ultra, die echtes Leder verwenden, fühlen sich die Sony etwas billiger an.
Ein großes Ärgernis: Das Klappgelenk fehlt komplett. Der Vorgänger ließ sich zusammenfalten, was das Transportmaß halbierte. Die XM5 passen nur noch in das mitgelieferte, recht voluminöse Hardcase. Das Case selbst ist gut verarbeitet und schützt die Kopfhörer zuverlässig, nimmt aber in jedem Rucksack oder jeder Tasche erheblich Platz weg. Für Geschäftsreisende mit kompaktem Handgepäck ein echtes Problem. Warum Sony diesen Rückschritt gemacht hat, erschließt sich uns nicht – die dünneren Bügel können es nicht sein, denn die Konkurrenz zeigt, dass beides möglich ist.
Die Bedienelemente funktionieren zuverlässig: Touch-Oberfläche rechts für Lautstärke und Titel, physische Tasten links für Noise-Cancelling und Sprachassistent. Die Touch-Steuerung reagiert präzise, auch mit Handschuhen im Winter. Einmal haben wir versehentlich beim Abnehmen einen Song übersprungen, aber das passierte selten genug, um nicht zu nerven.
Display
Dieser Abschnitt entfällt bei Kopfhörern, da kein Display verbaut ist. Die Sony WH-1000XM5 verfügen lediglich über kleine LED-Anzeigen für den Ladestatus und den Verbindungsstatus, die nur während des Ladevorgangs bzw. beim Pairing leuchten. Im normalen Betrieb gibt es keine optischen Indikatoren.
Die Steuerung erfolgt ausschließlich über die Sony Headphones Connect App, die auf dem Smartphone-Display läuft. Diese App ist übersichtlich gestaltet, wirkt aber etwas überladen mit Funktionen, die man im Alltag kaum braucht. Die wichtigsten Einstellungen – Equalizer, ANC-Intensität, Multi-Point-Verbindung – sind schnell erreichbar. Störend ist, dass manche Einstellungen nur mit aktiver Bluetooth-Verbindung geändert werden können, selbst wenn die Kopfhörer direkt neben dem Smartphone liegen.
Die Verarbeitungsqualität der App ist solide, wir hatten während des Testzeitraums keine Abstürze. Die Reaktionsgeschwindigkeit ist allerdings verbesserungswürdig: Nach einer Änderung im Equalizer dauert es etwa zwei Sekunden, bis die neue Klangabstimmung hörbar wird. Das nervt beim Experimentieren mit verschiedenen Einstellungen.
Leistung im Alltag
Die Bluetooth-Verbindung zum Smartphone (getestet mit iPhone 14 Pro und Samsung Galaxy S23) steht innerhalb von drei Sekunden nach dem Aufsetzen. Das ist nicht rekordverdächtig, aber völlig ausreichend. Die Multi-Point-Funktion, die gleichzeitige Verbindung mit zwei Geräten, funktioniert zuverlässiger als beim Vorgänger. Wir konnten problemlos zwischen Laptop und Smartphone wechseln, ohne manuell neu zu koppeln. Einmal pro Woche gab es allerdings eine Situation, in der sich die Kopfhörer nicht automatisch mit dem zweiten Gerät verbunden haben – ein kurzes Aus- und Einschalten löste das Problem.
Die automatische Pausierung beim Abnehmen der Kopfhörer arbeitet zu 95 Prozent zuverlässig. Bei schnellen Bewegungen, etwa beim Sport, pausierte die Musik gelegentlich ungewollt. Das ist bei Over-Ear-Kopfhörern aber ein generelles Problem und nicht Sony-spezifisch.
LDAC-Unterstützung klingt gut auf dem Papier, bringt aber im Alltag wenig. Erstens braucht man ein Android-Gerät, zweitens wird die Verbindung instabil, sobald man sich mehr als fünf Meter vom Smartphone entfernt. Wir haben nach drei Tagen wieder auf AAC gewechselt, weil die Aussetzer nervten. Der Klangunterschied war minimal – nur in sehr ruhigen Umgebungen und mit hochauflösendem Material überhaupt wahrnehmbar.
Die Speak-to-Chat-Funktion erkennt, wenn man spricht, und pausiert automatisch die Musik. Das klingt praktischer als es ist. Im Test löste die Funktion auch beim Mitsingen aus, was bei Musik mit Gesang ständig zu Unterbrechungen führte. Nach einer Woche haben wir die Funktion deaktiviert und die manuelle Pausierung mit der Hand über der Ohrmuschel genutzt – das funktioniert sofort und zuverlässig.
Die Tragekomfort-Bewertung hängt stark von der Kopfform ab. Wir haben die XM5 auch an fünf Kollegen zum Test gegeben: Drei fanden sie sehr bequem für mehrstündige Sessions, zwei klagten über Druckpunkte am oberen Ohrrand nach etwa 90 Minuten. Der Anpressdruck ist insgesamt etwas höher als beim Vorgänger, was dem verbesserten ANC geschuldet ist.
Klang & Noise-Cancelling
Das Noise-Cancelling ist tatsächlich das Beste, was wir bisher getestet haben – mit Einschränkungen. Im Flugzeug schlucken die XM5 das tieffrequente Triebwerksbrummen nahezu vollständig. Auf einem dreistündigen Flug von Berlin nach Lissabon konnten wir Podcasts bei halber Lautstärke problemlos verstehen, während mit den Bose QuietComfort 45 (getestet im Parallelvergleich) noch deutlich mehr Grundrauschen durchkam. Der direkte Vorgänger XM4 liegt leistungsmäßig nur minimal dahinter – der Unterschied ist wahrnehmbar, rechtfertigt aber nicht unbedingt 80 Euro Aufpreis.
Anders sieht es bei mittel- bis hochfrequenten Geräuschen aus. Im Großraumbüro werden Tastaturklappern und Gespräche zwar gedämpft, aber nicht eliminiert. Wer absolute Stille erwartet, wird enttäuscht. Beim Pendeln in der U-Bahn filtern die Kopfhörer das Fahrgeräusch gut heraus, Durchsagen und Bremsquietschen kommen aber noch durch – was sicherheitstechnisch auch sinnvoll ist.
Ein nerviges Problem: Windgeräusche beim Fahrradfahren oder schnellen Gehen werden vom ANC teilweise verstärkt statt unterdrückt. Sony bietet zwar einen Windmodus in der App, aber der deaktiviert faktisch das ANC komplett. Hier sind die AirPods Max mit ihrer adaptiven Transparenzfunktion überlegen.
Klanglich liefern die XM5 ein ausgewogenes, leicht bassbetontes Profil ab Werk. Im direkten Vergleich mit den neutraleren Bose QuietComfort Ultra wirken sie etwas wärmer und musikalisc her. Für Podcasts ist das ideal – Stimmen klingen natürlich und klar, ohne künstliche Höhenbetonung. Bei elektronischer Musik und Hip-Hop macht sich der kräftige Bass positiv bemerkbar, ohne in Dröhnen abzurutschen. Wer es neutraler mag, kann im Equalizer nachjustieren – die App bietet genug Spielraum.
Bei Rock und Metal zeigen sich Schwächen: In dichten Passagen mit vielen Instrumenten verschwimmen die Mitten leicht, Gitarren werden nicht so klar getrennt wie etwa beim Sennheiser Momentum 4. Für audiophile Hörer sind die Sony also keine erste Wahl, für 95 Prozent aller Nutzer aber mehr als ausreichend.
Die Telefonqualität hat Sony deutlich verbessert. Anrufe im lauten Café waren problemlos möglich, die acht Mikrofone filtern Hintergrundgeräusche effektiv heraus. Nur bei starkem Wind (getestet bei etwa 40 km/h Windgeschwindigkeit am Strand) wurden wir als schwer verständlich beschrieben. Die AirPods Max schnitten hier minimal besser ab, der Unterschied ist aber marginal.
Akku im Alltag
Sony verspricht 30 Stunden Laufzeit mit ANC. Im Test kamen wir auf 27 bis 28 Stunden bei gemischter Nutzung – Musik, Podcasts, Telefonate, ANC durchgehend aktiv. Das entspricht etwa vier bis fünf Arbeitstagen bei drei Stunden täglicher Nutzung im Pendlerverkehr plus Telefonate. Wer die Kopfhörer nur am Wochenende für Musik nutzt, kommt locker zwei bis drei Wochen ohne Laden aus.
Ein konkretes Szenario: Montag 7 Uhr voll geladen, dann täglich 45 Minuten Pendeln mit Podcast, zwei bis drei Stunden Musik nebenbei im Homeoffice, zwei Telefonate à 20 Minuten. Donnerstagabend gegen 22 Uhr meldete die App noch 18 Prozent Restladung. Das ist solide, aber nicht überragend – der Vorgänger XM4 hielt unter identischen Bedingungen minimal länger durch.
Ohne ANC steigt die Laufzeit auf etwa 38 Stunden, was wir aber nur stichprobenartig getestet haben. Wer Noise-Cancelling-Kopfhörer kauft, will das ANC ja nutzen, daher ist dieser Wert wenig praxisrelevant.
Das Aufladen per USB-C dauert von 10 auf 80 Prozent etwa 90 Minuten mit einem Standard-20-Watt-Netzteil. Von 80 auf 100 Prozent vergehen weitere 40 Minuten – hier drosselt Sony die Ladegeschwindigkeit, vermutlich um die Akkulebensdauer zu schonen. Die Schnellladefunktion liefert nach drei Minuten Ladezeit angeblich drei Stunden Wiedergabe. Im Test waren es eher zweieinhalb Stunden, aber das reicht für die meisten Notfälle.
Kabelloses Laden gibt es nicht, was in dieser Preisklasse mittlerweile Standard sein sollte. Die Konkurrenz von Bose bietet das bei vergleichbaren Modellen an.
Fazit und Kaufempfehlung
Die Sony WH-1000XM5 sind technisch exzellente Kopfhörer mit dem besten ANC am Markt – zumindest bei tieffrequenten Geräuschen. Für Vielflieger, Pendler und alle, die in lauten Umgebungen arbeiten, sind sie eine klare Empfehlung. Die Klangqualität ist gut bis sehr gut, ohne audiophile Ansprüche zu befriedigen. Akkulaufzeit und Bedienung funktionieren zuverlässig im Alltag.
Aber: Für 279 Euro dürfen wir mehr erwarten. Das fehlende Klappgelenk ist ein echter Rückschritt, die Materialanmutung wirkt günstig, erste Gebrauchsspuren nach zwei Wochen sind inakzeptabel. Die Verbesserungen gegenüber dem XM4 sind da, aber marginal. Wer den Vorgänger hat, kann getrost warten. Wer neu einsteigt, sollte prüfen, ob der XM4 für 200 Euro nicht die bessere Wahl ist – 80 Prozent der Leistung für 70 Prozent des Preises.
Die Bose QuietComfort Ultra kosten zwar 350 Euro, bieten aber bessere Materialien und kabelloses Laden. Die Sennheiser Momentum 4 sind mit 250 Euro etwas günstiger und klanglich neutraler, haben aber schwächeres ANC. Für Apple-Nutzer bleiben die AirPods Max eine Alternative, auch wenn sie mit 550 Euro deutlich teurer sind – die Integration ins Apple-Ökosystem ist aber unerreicht.
Unser Rat: Bei Preisen unter 250 Euro zuschlagen, darüber genau überlegen, ob die Extras den Aufpreis wert sind. Für alle, die hauptsächlich in sehr lauten Umgebungen Ruhe brauchen und Wert auf lange Akkulaufzeit legen, sind die XM5 trotz der Kritikpunkte die erste Wahl. Wer höchste Materialqualität und kompakte Transportmaße braucht, schaut sich besser nach Alternativen um.
Technische Daten
🛒 Ohne Vertrag kaufen
📱 Mit Vertrag kaufen
* Affiliate-Links. Für dich entstehen keine Mehrkosten.
Weitere Anbieter vergleichen
* Affiliate-Links · Für dich entstehen keine Mehrkosten