Shokz OpenFit Air
Shokz

Shokz OpenFit Air im Test 2026: Offene Sport-Kopfhörer mit Kompromissen beim Klang

7.3/10
⭐⭐⭐⭐⭐⭐⭐
Design7.2/10
Leistung7.0/10
Akku7.3/10
Preis/Leistung7.8/10

Einleitung

Shokz hat sich in den letzten Jahren einen Namen mit Knochenschall-Kopfhörern gemacht. Mit den OpenFit Air geht der Hersteller nun einen anderen Weg: Statt Vibrationen am Knochen zu übertragen, setzen diese offenen In-Ears auf klassische Lautsprecher, die aber bewusst die Ohren nicht verschließen. Für 129 Euro positioniert sich das Modell im unteren Mittelfeld und richtet sich vor allem an Läufer und Radfahrer, die ihre Umgebung wahrnehmen wollen, ohne auf Musik oder Podcasts zu verzichten.

Wir haben die OpenFit Air drei Wochen lang beim Sport, im Büro und auf dem Weg zur Arbeit getestet. Besonders gespannt waren wir, ob der Verzicht auf Knochenschall tatsächlich besseren Klang bringt und wie viel von der Musik nach außen dringt. Überrascht hat uns vor allem das geringe Gewicht, aber auch einige Schwächen wurden schnell deutlich. Wer die normalen OpenFit für rund 180 Euro kennt, sollte sich die Unterschiede genau ansehen, denn bei der Air-Variante wurde nicht nur am Preis gespart.

Design und Verarbeitung

Die OpenFit Air sind mit etwa 8,7 Gramm pro Ohrhörer echte Leichtgewichte. Im direkten Vergleich zu den Bose Sport Open Earbuds, die rund 9,5 Gramm wiegen, ist der Unterschied spürbar. Das Gehäuse besteht hauptsächlich aus mattem Kunststoff, der sich solide anfühlt, aber definitiv nicht nach Premium. Die Oberfläche zieht Fingerabdrücke und Staub magisch an, was im Alltag stört. Nach zwei Wochen in der Hosentasche zeigten sich bereits erste feine Kratzer auf der Außenseite.

Der Ohrbügel ist aus flexiblem Silikon gefertigt und passt sich gut an verschiedene Ohrformen an. Bei uns saßen die Kopfhörer auch nach 90 Minuten Laufen noch sicher, allerdings mussten wir sie bei schnellen Kopfbewegungen gelegentlich nachkorrigieren. Menschen mit sehr kleinen Ohren könnten Probleme bekommen, da es keine unterschiedlichen Größen gibt. Die Verarbeitung der Übergänge zwischen Bügel und Lautsprecher-Einheit wirkt etwas ungleichmäßig, hier hätten wir mehr Präzision erwartet.

Das Ladecase ist kompakt und passt problemlos in jede Jackentasche. Der Deckel schließt mit einem befriedigenden Klick, allerdings fehlt eine magnetische Halterung für die Kopfhörer im Case selbst. Man muss die Ohrhörer richtig positionieren, sonst laden sie nicht. Das nervt besonders beim schnellen Verstauen nach dem Sport. Die USB-C-Buchse sitzt mittig an der Rückseite. Eine IP54-Zertifizierung schützt gegen Spritzwasser und Schweiß, für den Einsatz bei starkem Regen sind die OpenFit Air aber nicht gedacht. Im Vergleich zur teureren OpenFit-Version fehlt hier die hochwertigere IPX5-Zertifizierung.

Die Touch-Bedienung funktioniert grundsätzlich zuverlässig, reagiert aber manchmal zu empfindlich. Beim Aufsetzen oder Abnehmen haben wir versehentlich mehrfach die Wiedergabe pausiert. Die Fläche ist nicht eindeutig markiert, sodass man anfangs suchen muss. Physische Tasten wären hier die bessere Wahl gewesen, besonders mit verschwitzten Fingern beim Sport.

Display

Als Kopfhörer verfügen die Shokz OpenFit Air naturgemäß über kein Display. Die Bedienung erfolgt ausschließlich über Touch-Gesten an den Ohrhörern selbst oder über die zugehörige Smartphone-App. Die App zeigt den Akkustand beider Ohrhörer einzeln an und bietet grundlegende Einstellungen für die Touch-Steuerung sowie drei voreingestellte Equalizer-Modi.

Die Benutzeroberfläche der App ist funktional, aber spartanisch. Im Vergleich zur Software von Sony oder Jabra fehlen erweiterte Anpassungsmöglichkeiten komplett. Es gibt keinen individuell einstellbaren Equalizer, keine Möglichkeit, die Touch-Gesten frei zu belegen, und auch keine Firmware-Updates wurden während unseres Testzeitraums angeboten. Die drei vorgegebenen Klangprofile heißen Standard, Bass und Vocal, wobei die Unterschiede nur marginal hörbar sind.

Positiv fiel auf, dass die App nicht zwingend notwendig ist. Die Kopfhörer funktionieren auch ohne Installation per Standard-Bluetooth-Verbindung. Wer also keine weitere App auf dem Smartphone haben möchte, kann die OpenFit Air einfach koppeln und nutzen. Allerdings verzichtet man dann auf jegliche Anpassungsmöglichkeiten und bleibt beim Werks-Klangprofil.

Leistung im Alltag

Die Bluetooth-Verbindung zu unserem Testgerät, einem Samsung Galaxy S23, war stabil und reichte problemlos durch eine 80-Quadratmeter-Wohnung. Im Büro konnten wir das Smartphone auf dem Schreibtisch lassen und uns etwa zehn Meter entfernen, bevor erste Aussetzer auftraten. Die Kopfhörer unterstützen Bluetooth 5.3, aber nur SBC- und AAC-Codecs. LDAC, aptX oder andere hochwertigere Codecs fehlen komplett. Das merkt man beim Musikhören durchaus, besonders bei komplexen Arrangements klingt alles etwas flacher als bei Konkurrenten mit besserer Codec-Unterstützung.

Die Verbindung zum Smartphone baut sich nach dem Öffnen des Cases innerhalb von drei Sekunden auf, das ist akzeptabel, aber nicht so schnell wie bei Apple AirPods oder Samsung Galaxy Buds. Multipoint-Verbindung zu zwei Geräten gleichzeitig wird unterstützt, funktionierte im Test aber nicht immer zuverlässig. Beim Wechsel zwischen Laptop und Smartphone dauerte es manchmal bis zu zehn Sekunden, bis der Sound auf dem neuen Gerät ankam.

Die Latenz beim Videoschauen auf YouTube oder Netflix war unauffällig, Lippensynchronität stimmte in unserem Test. Bei Spielen wie PUBG Mobile oder Call of Duty Mobile lag der Ton jedoch spürbar hinter den Bildern, hier sind die OpenFit Air keine gute Wahl. Ein dedizierter Gaming-Modus, wie ihn viele Konkurrenten bieten, fehlt.

Die offene Bauweise hat einen großen Nachteil: Ab etwa 60 Prozent Lautstärke hören Personen in direkter Umgebung deutlich mit, was die Musik läuft. Im Büro, in der Bahn oder im Café ist das problematisch. Bei maximaler Lautstärke konnten wir im Selbsttest einen Meter entfernt noch einzelne Worte aus Podcasts verstehen. Wer diskret Musik hören will, muss zu geschlossenen In-Ears greifen. Für den Sport im Freien ist dieser Punkt weniger relevant, dort stört es niemanden.

Klang & Noise-Cancelling

Die Shokz OpenFit Air klingen für offene Kopfhörer überraschend vollständig, erreichen aber nicht das Niveau geschlossener In-Ears in dieser Preisklasse. Podcasts auf dem Weg zur Arbeit waren klar und verständlich, Stimmen klingen natürlich ohne unangenehme Höhenspitzen. Bei Musik fehlt es allerdings deutlich an Bass. Songs wie „Bad Guy" von Billie Eilish, die von tiefen Frequenzen leben, klingen dünn und kraftlos. Wir haben alle drei EQ-Einstellungen in der App durchprobiert, aber selbst der Bass-Modus bringt nur minimal mehr Druck.

Im Vergleich zu den teureren Shokz OpenFit, die wir zum Vergleich herangezogen haben, klingen die Air spürbar flacher. Die normale OpenFit-Version hat größere Lautsprecher verbaut, was man hört. Bei klassischer Musik oder Jazz fehlt den OpenFit Air die räumliche Tiefe. Ein Orchester klingt zusammengepresst, einzelne Instrumente verschwimmen. Für Rock und Pop funktioniert es besser, solange man keine audiophilen Ansprüche hat.

Die maximale Lautstärke reicht auch bei Wind beim Radfahren aus, um Musik oder Podcasts zu verstehen. Allerdings muss man dann bereits 80 Prozent aufdrehen, was die Akkulaufzeit merklich verkürzt. In sehr lauten Umgebungen, etwa an einer befahrenen Straße oder am Bahnsteig, kommt man an die Grenzen. Geschlossene In-Ears isolieren hier deutlich besser.

Active Noise Cancelling gibt es bei den OpenFit Air nicht, was bei offenen Kopfhörern auch wenig Sinn ergeben würde. Die Bauweise soll ja gerade Umgebungsgeräusche durchlassen. Das funktioniert perfekt: Beim Laufen hören wir herannahende Autos, im Büro bekommen wir Gespräche mit, und auf dem Rad sind Klingeln und Hupen klar wahrnehmbar. Genau das ist der Sinn dieser Kopfhörer, und hier erfüllen sie ihren Zweck vollständig.

Telefonate führten wir mehrfach während Spaziergängen und im Home-Office. Die Mikrofonqualität ist durchschnittlich. Bei Windstille waren wir gut verständlich, bei Wind ab etwa 15 km/h klagten Gesprächspartner über Rauschen. Die vier verbauten Mikrofone filtern Umgebungsgeräusche nur mäßig. Im Vergleich zu den AirPods Pro 2 oder den Jabra Elite 85t sind die OpenFit Air beim Telefonieren klar unterlegen.

Akku im Alltag

Shokz verspricht bis zu sechs Stunden Laufzeit pro Ladung bei mittlerer Lautstärke. Im Test erreichten wir etwa fünf bis fünfeinhalb Stunden, was realistisch ist. Wer gerne laut hört, kommt eher auf vier Stunden. Für einen durchschnittlichen Arbeitstag mit zwei Stunden Musikhören auf dem Weg zur Arbeit und mittags eine Stunde Podcast reicht das problemlos. Am Abend um 22 Uhr war bei uns meist noch 20 bis 30 Prozent Restladung vorhanden.

Das Ladecase bietet zusätzliche 22 Stunden, insgesamt kommt man also auf etwa 28 Stunden Gesamtlaufzeit. Das ist deutlich weniger als bei Konkurrenten wie den Soundcore Sport X10, die mit Case auf 32 Stunden kommen. Für ein Wochenende ohne Steckdose reicht es, für längere Reisen wird es knapp. Das Case selbst lädt per USB-C in etwa anderthalb Stunden von leer auf voll. Schnellladefunktion gibt es: Nach 15 Minuten am Kabel haben die Ohrhörer genug Saft für etwa anderthalb Stunden Wiedergabe. Das ist praktisch, wenn man morgens vergessen hat zu laden.

Kabelloses Laden unterstützen weder die Kopfhörer noch das Case. Bei diesem Preis ist das verschmerzbar, aber es wäre ein nettes Extra gewesen. Im Alltag haben wir die Kopfhörer alle zwei bis drei Tage laden müssen, je nach Nutzung. Die LED am Case zeigt grob den Ladestand an, präzise Prozentzahlen gibt es nur in der App.

Fazit und Kaufempfehlung

Die Shokz OpenFit Air erfüllen ihren Zweck als offene Sport-Kopfhörer solide, mehr aber auch nicht. Wer beim Laufen oder Radfahren seine Umgebung wahrnehmen will und gleichzeitig Musik hören möchte, bekommt hier eine funktionierende Lösung für 129 Euro. Das geringe Gewicht und der sichere Sitz sind echte Pluspunkte. Die Klangqualität ist für offene Kopfhörer akzeptabel, kann aber mit geschlossenen In-Ears nicht mithalten.

Für wen lohnt sich der Kauf? Sportler, die aus Sicherheitsgründen ihre Umgebung hören müssen oder wollen, finden hier eine gute Option. Auch Menschen, die keine In-Ears vertragen oder den Druck im Ohr nicht mögen, können zugreifen. Allerdings muss man mit schwachem Bass, fehlenden Premium-Codecs und mäßiger Mikrofonqualität leben können.

Für wen lohnt es sich nicht? Wer hauptsächlich in der Bahn, im Büro oder zu Hause Musik hört, sollte zu geschlossenen In-Ears greifen. Die offene Bauweise stört in diesen Situationen mehr als sie hilft, und der Klang ist für 129 Euro zu schwach. Die Soundcore Sport X10 bieten für 80 Euro besseren Sound und längere Akkulaufzeit, allerdings mit geschlossenem Design. Wer mehr Budget hat und das offene Konzept schätzt, sollte sich die normalen Shokz OpenFit für 180 Euro ansehen, die klanglich spürbar besser sind.

Unser Urteil: Die OpenFit Air sind eine Nischenlösung für eine spezifische Zielgruppe. Wer diese Nische bedient, bekommt ein brauchbares Produkt. Alle anderen finden für das Geld bessere Alternativen.

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