Sennheiser Momentum 4 Wireless
Sennheiser

Sennheiser Momentum 4 Wireless im Test 2026: Marathon-Akku trifft auf Sennheiser-Klang

8.3/10
⭐⭐⭐⭐⭐⭐⭐⭐
Design6.5/10
Leistung8.5/10
Akku9.5/10
Preis/Leistung8.5/10

Einleitung

Sennheiser hat mit dem Momentum 4 Wireless einen mutigen Schritt gewagt: Statt dem klassischen Momentum-Design zu folgen, präsentiert sich die vierte Generation völlig neu gestaltet und verspricht mit 60 Stunden Akkulaufzeit einen Rekord, der selbst Sony und Bose alt aussehen lässt. Für 249 Euro positioniert sich der Kopfhörer im unteren Premium-Segment, deutlich günstiger als der Vorgänger zum Marktstart. Wir haben den Momentum 4 zweieinhalb Wochen lang im Alltag getestet: auf Zugfahrten zwischen Hamburg und Berlin, im Homeoffice, beim Sport und bei langen Streaming-Sessions am Abend. Dabei wollten wir herausfinden, ob Sennheiser tatsächlich die Balance zwischen Klangqualität, Komfort und Ausdauer geschafft hat, oder ob zugunsten der Marathon-Akkulaufzeit an anderer Stelle gespart wurde. Besonders gespannt waren wir auf den Vergleich zum Sony WH-1000XM5, der in dieser Preisklasse als Referenz gilt. Was uns überrascht hat: Der Momentum 4 klingt tatsächlich eigenständiger und weniger beliebig als viele Konkurrenten, hat aber an anderer Stelle Schwächen, die uns im Alltag gestört haben.

Design und Verarbeitung

Der erste Griff zum Momentum 4 offenbart sofort: Das ist nicht mehr der edle, kompakte Sennheiser, den wir vom Momentum 3 kannten. Die neue Generation wirkt deutlich größer, bulkiger und weniger hochwertig. Sennheiser hat sich beim Design klar an Sony orientiert, was den Kopfhörer austauschbarer macht. Die Ohrmuscheln sind aus mattem Kunststoff gefertigt, der sich nicht unangenehm anfühlt, aber auch nicht nach 249 Euro. Positiv: Es gibt keine Fingerabdrücke, und das Material fühlt sich robust an. Mit 293 Gramm liegt der Momentum 4 im Mittelfeld, fühlt sich aber durch die gute Gewichtsverteilung leichter an als er ist.

Die Polster sind aus weichem Kunstleder und bieten guten Tragekomfort, auch nach drei Stunden am Stück. Allerdings schwitzen unsere Ohren im Sommer schneller als beim Bose QuietComfort 45 mit seinen luftigeren Polstern. Der Kopfbügel hat ausreichend Polsterung, könnte für große Köpfe aber etwas mehr Spannung vertragen. Uns ist aufgefallen, dass der Kopfhörer bei schnellen Kopfbewegungen leicht verrutscht, was beim Joggen störte. Für Sport ist er ohnehin nicht gedacht, aber selbst beim schnellen Gehen zur U-Bahn mussten wir gelegentlich nachjustieren.

Die Verarbeitung ist solide, aber nicht makellos. An den Scharnieren gibt es minimales Spiel, und beim Zusammenklappen knarzt es leicht. Das mitgelieferte Hardcase ist dünn und bietet weniger Schutz als die Konkurrenz von Sony. Es nimmt zwar wenig Platz weg, aber wir hätten uns hier mehr Wertigkeit gewünscht. Die Touch-Bedienung an der rechten Ohrmuschel funktioniert zuverlässig, reagiert aber manchmal zu empfindlich: Mehrfach haben wir versehentlich die Musik pausiert, als wir den Kopfhörer adjustiert haben. Im Vergleich zum Vorgänger ist der Momentum 4 also ein Rückschritt beim Design, aber ein Fortschritt bei Alltagstauglichkeit und Robustheit.

Display

Der Sennheiser Momentum 4 Wireless ist ein Over-Ear-Kopfhörer ohne Display. Die Bedienung erfolgt komplett über Touch-Gesten an der rechten Ohrmuschel und über die Sennheiser Smart Control App auf dem Smartphone. In der App finden wir alle wichtigen Einstellungen übersichtlich präsentiert: Equalizer mit verschiedenen Voreinstellungen, ANC-Stufen, Transparenzmodus und die Möglichkeit, die Touch-Gesten anzupassen. Die App-Oberfläche ist hell und kontrastreich, lässt sich also auch im Sonnenlicht gut ablesen, was bei der Ersteinrichtung im Park praktisch war.

Was wir vermissen: Eine Sprachansage für den Akkustand. Zwar zeigt die App den Ladestand prozentgenau an, aber wenn man unterwegs ist und das Smartphone in der Tasche hat, muss man es erst herausholen, um zu prüfen, wie viel Saft noch übrig ist. Die Sony-Konkurrenz sagt den Akkustand bei jedem Einschalten an. Positiv fiel uns auf, dass die Verbindungsbestätigung per Sprachausgabe klar und nicht zu laut ist. Manche günstigeren Kopfhörer brüllen einem die Ansagen förmlich ins Ohr.

Die LED-Anzeige am Kopfhörer selbst ist minimal: Ein kleines weißes Licht blinkt beim Pairing, leuchtet dauerhaft während des Ladens und wird rot bei niedrigem Akku. Das ist funktional, aber unauffällig. Im Alltag hätten wir uns gewünscht, dass die LED auch den Ladezustand in Prozent anzeigt, etwa durch verschiedene Blinkmuster. So muss man für genaue Informationen immer die App öffnen, was im Winter mit Handschuhen nervt.

Leistung im Alltag

Die Bluetooth-Verbindung zum iPhone 14 Pro und zum Samsung Galaxy S23 funktionierte im Test durchweg stabil. Der Kopfhörer merkt sich bis zu acht Geräte und verbindet sich beim Einschalten automatisch mit dem zuletzt genutzten. Multipoint-Verbindung beherrscht der Momentum 4 ebenfalls: Wir konnten ihn parallel mit Laptop und Smartphone verbinden, was im Homeoffice praktisch ist. Der Wechsel zwischen den Geräten klappte meist reibungslos, allerdings dauerte es manchmal zwei bis drei Sekunden, bis der Kopfhörer nach einer Pause auf dem Laptop den Sound vom Smartphone übernahm. Sony löst das etwas flüssiger.

Die Touch-Bedienung reagiert präzise: Einfaches Tippen pausiert, zweimal tippen springt zum nächsten Track, dreimal zurück. Wischen nach oben und unten regelt die Lautstärke. Das funktionierte nach einer kurzen Eingewöhnungsphase intuitiv. Was uns störte: An kalten Tagen mit Mütze reagierte die Touch-Oberfläche deutlich unzuverlässiger. Hier wäre ein physischer Button praktisch gewesen. Die Möglichkeit, durch langes Drücken zwischen ANC und Transparenzmodus zu wechseln, nutzen wir täglich und sie funktioniert gut.

Der Auto-Pause-Sensor, der die Wiedergabe stoppt, wenn man den Kopfhörer absetzt, arbeitet zuverlässig. Allerdings ist er etwas zu empfindlich: Wenn wir den Kopfhörer nur kurz nach hinten schoben, um etwas zu hören, pausierte die Musik bereits. In den Einstellungen lässt sich der Sensor aber deaktivieren. Der Transparenzmodus aktiviert sich per Geste durch Auflegen der Hand auf die rechte Ohrmuschel. Das klappte im Test gut, allerdings ist der Transparenzmodus selbst nur Mittelmaß: Stimmen klingen leicht blechern und die Umgebung wird nicht so natürlich wiedergegeben wie beim AirPods Max. Für kurze Gespräche an der Kasse reicht es, für längere Unterhaltungen nehmen wir den Kopfhörer lieber ab.

Bei längerer Nutzung wird der Momentum 4 nicht warm, selbst nach vier Stunden Dauerbetrieb. Das ist angenehm und spricht für gutes thermisches Management. Die Reichweite beträgt laut Sennheiser bis zu 60 Meter, praktisch konnten wir im Test etwa 15 Meter in der Wohnung mit zwei Wänden dazwischen problemlos gehen, bevor es zu Aussetzern kam. Das ist Standardniveau für Bluetooth 5.2.

Klang & Noise-Cancelling

Der Klang des Momentum 4 ist das, was ihn wirklich von der Konkurrenz abhebt. Sennheiser hat hier nicht den Weg des gefälligsten, bassbetonten Einheitsbreis gewählt, sondern liefert einen ausgewogenen, detailreichen Sound mit leichter Betonung im oberen Bassbereich. Beim Hören von Podcasts auf dem Weg zur Arbeit fielen uns sofort die klaren, natürlichen Stimmen auf. Jan Böhmermann im Fest und Flauschig Podcast klang präsent, ohne scharf zu werden. Auch bei leiseren Passagen mussten wir nicht aufdrehen, um jedes Wort zu verstehen. Verglichen mit dem Sony WH-1000XM5 klingt der Momentum 4 direkter und weniger räumlich, was bei Sprache aber kein Nachteil ist.

Bei Musik wird es interessanter: Hören wir Daft Punks Get Lucky, kommt der Bass kraftvoll, aber kontrolliert. Er dröhnt nicht, nimmt aber auch die Mitten nicht gefangen. Die Gitarre von Nile Rodgers bleibt klar hörbar, ebenso das rhythmische Zusammenspiel. Bei orchestraler Musik wie Hans Zimmers Time aus Inception zeigt der Momentum 4 seine Stärken: Die Streicher klingen natürlich, das Crescendo baut sich dynamisch auf, ohne dass die Höhen schrill werden. Hier merkt man den Sennheiser-Anspruch. Allerdings fehlt dem Kopfhörer im direkten Vergleich zum AirPods Max die letzte räumliche Tiefe. Die Bühne ist gut, aber nicht außergewöhnlich breit.

Wo der Momentum 4 schwächelt: Bei sehr basslastiger elektronischer Musik wie Skrillex oder Burial fehlt dem Tiefbass das letzte Fundament. Wer seine Musik wummern lassen möchte, sollte in der App den Bass-Boost-Preset aktivieren, dann kommt auch hier genug Druck. Allerdings geht das zulasten der Ausgewogenheit. Im Café bei mittlerer Lautstärke störte uns, dass der Momentum 4 etwas mehr Außengeräusche durchlässt als erwartet, was uns zum Noise-Cancelling bringt.

Das ANC des Momentum 4 ist gut, aber nicht klassenführend. In der Bahn zwischen Hamburg und Berlin filterte es das konstante Fahrgeräusch zuverlässig heraus. Wir konnten bei mittlerer Lautstärke entspannt Musik hören, ohne dass das Rattern störte. Auch Stimmen im Hintergrund wurden deutlich gedämpft. Im Vergleich zum Sony WH-1000XM5 oder Bose QuietComfort 45 lässt der Sennheiser aber mehr höhere Frequenzen durch: Das Piepen der Bahntüren, Kinderstimmen oder das Klappern von Geschirr im Café dringen stärker durch. Im Flugzeug funktionierte das ANC gegen das Triebwerksbrummen hervorragend, bei Wind draußen ist es allerdings weniger effektiv. Bei stärkerem Wind entsteht ein leichtes Rauschen, das bei der Konkurrenz besser gefiltert wird.

Die Telefonie-Qualität über die integrierten Mikrofone ist in ruhigen Räumen sehr gut. Unsere Stimme kam klar und natürlich beim Gegenüber an. Bei Wind oder in lauter Umgebung wie an einer Baustelle hatte der Gesprächspartner allerdings Mühe, uns zu verstehen. Hier sind die AirPods Max oder Sony deutlich besser. Für Video-Calls im Homeoffice reicht die Qualität aber vollkommen aus.

Akku im Alltag

Die versprochenen 60 Stunden Akkulaufzeit sind der Hauptverkaufspunkt des Momentum 4, und hier liefert Sennheiser tatsächlich ab. In unserem Test mit aktiviertem ANC und einer Lautstärke von etwa 60 Prozent kamen wir auf 56 Stunden Wiedergabe über neun Tage hinweg. Das ist beeindruckend: Wir konnten den Kopfhörer eine ganze Woche intensiv nutzen, ohne ans Laden denken zu müssen. Zum Vergleich: Der Sony WH-1000XM5 schafft etwa 30 Stunden, der Bose QuietComfort 45 rund 24 Stunden. Der Momentum 4 hält also mehr als doppelt so lange durch wie die etablierte Konkurrenz.

Im Alltag bedeutet das konkret: Morgens 45 Minuten Pendeln mit Musik, tagsüber drei Stunden Homeoffice mit Calls und Fokusmusik, abends eine Stunde Netflix auf dem iPad – diese Routine schafften wir fünf Tage am Stück, bevor die Warnung bei 10 Prozent kam. Für Vielreisende ist das ein echter Vorteil. Wer einmal vergisst, den Kopfhörer zu laden, hat trotzdem noch einen Puffer von mehreren Tagen.

Das Laden selbst dauert von 0 auf 100 Prozent etwa zwei Stunden per USB-C-Kabel. Von 20 auf 80 Prozent, dem Bereich, in dem wir meist laden, benötigte der Kopfhörer 90 Minuten. Das ist nicht besonders schnell, aber akzeptabel. Schnellladen beherrscht der Momentum 4 auch: Nach nur 15 Minuten am Ladegerät hatten wir genug Saft für vier Stunden Wiedergabe. Das hat uns zweimal gerettet, als wir spontan auf Reisen gingen. Kabelloses Laden gibt es nicht, was bei dieser Preisklasse mittlerweile Standard sein sollte. Das USB-C-Kabel ist mit einem Meter etwas kurz, liegt aber dem Lieferumfang bei.

Was uns störte: Der Kopfhörer zeigt den Akkustand nur in 10-Prozent-Schritten an, wenn man ihn ohne App nutzt. Das ist unpräzise, wenn man wissen möchte, ob die Ladung noch für eine längere Zugfahrt reicht. Die App zeigt den Stand prozentgenau, aber das hilft nicht, wenn das Smartphone gerade nicht zur Hand ist. Insgesamt ist die Akkulaufzeit des Momentum 4 sein absolutes Highlight und ein echter Vorteil gegenüber allen Konkurrenten in dieser Preisklasse.

Fazit und Kaufempfehlung

Der Sennheiser Momentum 4 Wireless ist ein solider Over-Ear-Kopfhörer mit zwei herausragenden Stärken: exzellenter Klangqualität und Rekord-Akkulaufzeit. Für 249 Euro bekommt man einen Kopfhörer, der klanglich mehr zu bieten hat als Sony oder Bose in dieser Preisklasse und dabei fast eine Woche ohne Steckdose auskommt. Das macht ihn zur idealen Wahl für alle, die Wert auf natürlichen, ausgewogenen Sound legen und nicht alle zwei Tage ans Laden denken wollen.

Allerdings muss man Kompromisse eingehen: Das Design ist funktional, aber nicht hochwertig. Das Noise-Cancelling ist gut, aber nicht klassenführend. Der Transparenzmodus und die Telefonie bei Wind sind schwächer als bei der Konkurrenz. Und wer den klassischen, edlen Momentum-Look erwartet, wird vom bulkigen Plastik-Design enttäuscht sein. Der Momentum 4 ist weniger Luxus-Accessoire, mehr Arbeitstier.

Für wen lohnt sich der Kauf? Pendler, Vielreisende und Homeoffice-Arbeiter, die einen zuverlässigen Begleiter mit top Klang und Marathon-Ausdauer suchen. Wer hauptsächlich Musik hört und weniger Wert auf perfektes ANC legt, bekommt hier viel Kopfhörer fürs Geld. Für wen nicht? Wer das beste Noise-Cancelling braucht, greift zum Sony WH-1000XM5 für etwa 50 Euro mehr. Wer elegantes Design wichtig findet, schaut sich den Bose QuietComfort 45 an. Und Sparfüchse, die auf etwas Akkulaufzeit verzichten können, finden im Sony WH-1000XM4 eine günstigere Alternative ab 200 Euro. Insgesamt ist der Momentum 4 aber eine klare Empfehlung für alle, die Klang und Ausdauer priorisieren und beim Design Abstriche machen können.

Technische Daten

Frequenzbereich 6 Hz – 22.000 Hz
Gewicht 293 g
Anc Adaptives ANC (einstellbar in 3 Stufen)
Akku bis zu 60 h (mit ANC), 60 h (ohne ANC)
Codec aptX, aptX HD, AAC, SBC
Treiber 42 mm Dynamischer Treiber
Ladeport USB-C
Verbindung Bluetooth 5.2, Multipoint (2 Geräte)
Klangprofil Warm-neutral mit kräftigen Bässen
Schnellladen 2 h Laden → volle Laufzeit

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