Samsung Galaxy Watch Ultra im Test 2026: Robust gebaut, aber der Akku enttäuscht
Einleitung
Mit der Galaxy Watch Ultra wagt Samsung den Sprung in ein Segment, das bislang klar von Garmin und Apple dominiert wurde. Für 649 Euro positioniert sich die Uhr als ernsthafte Alternative zur Apple Watch Ultra und will gleichzeitig Extremsportler ansprechen, die sonst eher zu Garmin greifen. Wir haben die Uhr drei Wochen lang getragen – beim Joggen, im Büroalltag, beim Schwimmen und auf einer mehrtägigen Wanderung in den Alpen. Die zentrale Frage: Rechtfertigt Samsung mit diesem ersten Ultra-Modell den stolzen Preis, oder handelt es sich nur um eine aufgehübschte Galaxy Watch 6 Classic im robusteren Gehäuse?
Überrascht hat uns vor allem die Akkulaufzeit, die deutlich unter unseren Erwartungen blieb. Positiv fiel dagegen die tatsächliche Robustheit auf: Nach einem unsanften Zusammenstoß mit einer Felswand beim Klettern zeigte das Saphirglas keine einzige Schramme. Das Titangehäuse wirkt deutlich wertiger als die Aluminium-Varianten der Vorgänger. Enttäuscht waren wir allerdings von der Software-Optimierung für Sportarten jenseits von Laufen und Radfahren – hier zeigt sich, dass Samsung noch Nachholbedarf gegenüber der etablierten Konkurrenz hat.
Design und Verarbeitung
Das Titangehäuse fühlt sich nach Premium an, keine Frage. Mit 60,5 Gramm liegt die Galaxy Watch Ultra spürbar schwerer am Handgelenk als eine Galaxy Watch 6 Classic mit 46 Gramm. Im direkten Vergleich zur Apple Watch Ultra, die 61,3 Gramm wiegt, bewegt sich Samsung im gleichen Bereich. Nach drei Tagen hatten wir uns an das Gewicht gewöhnt, beim Sport fällt es kaum noch auf. Das matte Titan zeigt nach drei Wochen intensiver Nutzung keinerlei Kratzer – ein deutlicher Unterschied zu den Aluminium-Modellen, die wir in der Vergangenheit getestet haben.
Das Saphirglas verdient ein extra Lob. Wir haben die Uhr bewusst hart rangenommen: Klettern ohne Handschuhe, Arbeiten in der Werkstatt, mehrfaches Anstoßen an Türrahmen. Resultat: Null Kratzer. Zum Vergleich: Eine Galaxy Watch 5 Pro mit Gorilla Glass hatte nach ähnlicher Behandlung bereits nach einer Woche erste Mikrokratzer. Für eine Uhr, die sich an Outdoor-Sportler richtet, ist das Saphirglas schlicht Pflicht – gut, dass Samsung hier nicht gespart hat.
Was uns deutlich stört: Die Krone ragt ziemlich weit aus dem Gehäuse heraus und hat uns mehrfach in der Jacke oder am Ärmel verhakt. Bei der Apple Watch Ultra sitzt die Digital Crown flacher und geschützter. Auch das orangefarbene Akzent-Element an der rechten Taste wirkt aufgesetzt – als wollte Samsung unbedingt zeigen, dass dies eine Sport-Uhr ist. Dezenter wäre eleganter gewesen. Das Armband aus Fluorelastomer ist solide, aber nichts Besonderes. Es sitzt sicher, schneidet nicht ein und lässt sich einfach reinigen. Mehr kann man nicht erwarten, aber für 649 Euro hätten wir uns ein zweites Armband im Lieferumfang gewünscht – Apple legt bei der Ultra zwei Armbänder bei.
Die MIL-STD-810H-Zertifizierung ist kein Marketing-Gag. Wir haben die Uhr bei minus 5 Grad im Schnee und bei über 35 Grad in der Sonne getragen – keine Probleme. Auch der Wasserdichtigkeitstest beim Schwimmen und Schnorcheln verlief problemlos. Hier merkt man: Samsung hat sich tatsächlich Mühe gegeben, ein robustes Gerät zu bauen.
Display
Das 1,5 Zoll große AMOLED-Display löst mit 480 x 480 Pixeln auf und liefert im Alltag ein knackig scharfes Bild. Die maximale Helligkeit gibt Samsung mit 3000 Nits an – und tatsächlich ist die Uhr auch in direkter Mittagssonne noch problemlos ablesbar. Wir haben sie auf einer Wanderung bei strahlendem Sonnenschein getragen und konnten Karten und Werte ohne Handüberschattung erkennen. Das ist deutlich besser als bei der Galaxy Watch 6 Classic, die bei starkem Licht schnell an ihre Grenzen kommt.
In Innenräumen regelt die automatische Helligkeitsanpassung meist gut. Nachts im Schlafzimmer dimmt das Display angenehm weit herunter, ohne dabei unleserlich zu werden. Die Always-On-Funktion arbeitet zuverlässig, zieht aber spürbar am Akku – dazu später mehr. Die Farben wirken satt und lebendig, ohne übertrieben zu sein. Schwarzwerte sind AMOLED-typisch perfekt.
Was uns weniger gefällt: Die flache Bauweise des Displays sorgt dafür, dass Reflexionen bei seitlichem Lichteinfall stärker auffallen als bei der leicht gewölbten Galaxy Watch 6. In der Praxis ist das kein Dealbreaker, aber im direkten Vergleich erkennbar. Die Bildwiederholrate liegt laut Samsung bei 60 Hz – spürbar ist das im Alltag nicht, Animationen laufen flüssig genug. Ein 120-Hz-Display wie bei manchen Smartphones wäre hier auch übertrieben.
Leistung im Alltag
Die Galaxy Watch Ultra läuft mit Wear OS 5 auf Basis von Android 14 und nutzt den Exynos W1000 Prozessor. Im Alltag merkt man davon vor allem eines: Die Uhr reagiert flott. Apps öffnen sich schnell, Wischgesten werden ohne Verzögerung umgesetzt, zwischen verschiedenen Ansichten wechselt die Uhr ohne Ruckler. Das ist besser als bei der Galaxy Watch 5, aber nicht revolutionär schneller als bei der Watch 6.
Wo wir Schwächen bemerkt haben: Beim Starten von Drittanbieter-Apps gibt es manchmal kurze Verzögerungen. Spotify braucht etwa 2-3 Sekunden, bis die App vollständig geladen ist. Strava startet ähnlich langsam. Die vorinstallierten Samsung-Apps öffnen sich dagegen nahezu sofort. Das ist kein Drama, aber spürbar. Zum Vergleich: Auf einer Apple Watch Ultra 2 öffnet sich Spotify gefühlt eine Sekunde schneller.
Multitasking funktioniert ordentlich. Wir konnten problemlos während eines Laufs Musik über Spotify streamen, die Navigation nutzen und gleichzeitig Herzfrequenz sowie weitere Metriken tracken. Die Uhr wurde dabei warm, aber nicht unangenehm heiß. An heißen Sommertagen bei direkter Sonneneinstrahlung während eines langen Laufs wurde die Unterseite der Uhr allerdings spürbar warm – nicht so stark, dass wir sie abnehmen mussten, aber deutlich wärmer als bei kühleren Bedingungen.
Die 32 GB Speicher sind ausreichend. Wir haben etwa 500 Spotify-Songs offline gespeichert, diverse Apps installiert und noch immer über 20 GB frei. Die 2 GB RAM reichen für Wear OS völlig aus, Speichermangel haben wir nicht erlebt. Die GPS-Genauigkeit ist gut: Bei Läufen im Wald und in der Stadt wich die aufgezeichnete Strecke nur minimal von der tatsächlichen Route ab. Im Vergleich zu einer Garmin Fenix 7 war die Samsung minimal ungenauer, aber der Unterschied liegt im Bereich von 50-100 Metern auf 10 Kilometern – für die meisten Nutzer irrelevant.
Kamera im Alltag
Die Samsung Galaxy Watch Ultra hat keine Kamera. Das ist bei Smartwatches dieser Kategorie auch völlig normal und kein Kritikpunkt. Weder die Apple Watch Ultra noch Garmin-Uhren im Premium-Segment verfügen über Kameras. Wer Fotos machen möchte, muss weiterhin zum Smartphone greifen.
Was die Uhr allerdings kann: Als Fernauslöser für die Kamera des gekoppelten Samsung-Smartphones dienen. Wir haben das mit einem Galaxy S24 Ultra getestet. Die Verbindung funktioniert zuverlässig, das Live-Bild wird mit minimaler Verzögerung auf der Uhr angezeigt. Für Gruppenfotos oder Selbstporträts mit dem Smartphone auf einem Stativ ist das praktisch. Die Bedienung ist intuitiv: Ein Fingertipp auf die Uhr löst die Kamera aus, man kann zwischen Front- und Rückkamera wechseln und einen Timer einstellen.
In der Praxis haben wir diese Funktion allerdings selten genutzt. Die meisten Fotos schießen wir spontan, und da ist das Smartphone schneller zur Hand als die Kamera-App auf der Uhr zu öffnen. Für geplante Aufnahmen – etwa bei Wanderungen, wenn man sich selbst mit Landschaft fotografieren will – ist die Fernsteuerung aber durchaus nützlich. Die Reichweite beträgt etwa 10 Meter, danach bricht die Bluetooth-Verbindung ab.
Ein nettes Feature: Man kann die zuletzt geschossenen Fotos vom Smartphone direkt auf der Uhr durchblättern. Die Auflösung des Displays reicht aus, um zu sehen, ob ein Foto gelungen ist. Zum detaillierten Begutachten muss man dann aber doch wieder zum Smartphone greifen. Insgesamt ist die Kamera-Integration solide umgesetzt, aber kein Killer-Feature.
Akku im Alltag
Hier kommt die größte Enttäuschung: Samsung verspricht bis zu 100 Stunden Laufzeit im Energiesparmodus – ein Wert, der in der Praxis kaum relevant ist, weil die Uhr dann nur noch als Uhrzeit-Anzeige dient. Im normalen Betrieb mit Always-On-Display, automatischer Helligkeitsanpassung, aktiviertem GPS und etwa 30 Minuten Sport pro Tag haben wir die Uhr jeden Abend gegen 22 Uhr mit etwa 15 Prozent Restakku auf die Ladestation legen müssen. Das heißt: Ein Tag, nicht mehr. Für eine Uhr, die sich an Outdoor-Sportler richtet und mit Extremsport-Tauglichkeit wirbt, ist das zu wenig.
Zum Vergleich: Eine Garmin Fenix 7 schafft locker 10 Tage im Smartwatch-Modus und etwa 40 Stunden mit durchgängigem GPS. Die Apple Watch Ultra 2 hält etwa 36 Stunden durch, allerdings mit deutlich größerem Display und mehr Features. Samsung liegt hier im Wear-OS-Umfeld im Mittelfeld, kann aber mit spezialisierten Sportuhren nicht mithalten.
Bei einem Testlauf ohne Always-On-Display, mit deaktiviertem WLAN und nur gelegentlichem Blick aufs Display kamen wir auf etwa eineinhalb Tage. Das ist besser, aber immer noch weit von dem entfernt, was man sich von einer Ultra-Uhr wünscht. Für mehrtägige Wanderungen oder Ultraläufe braucht man zwingend eine Powerbank – unpraktisch.
Positiv: Das Laden geht schnell. Von 20 auf 80 Prozent dauert es etwa 45 Minuten auf der mitgelieferten kabellosen Ladestation. Von 0 auf 100 Prozent braucht die Uhr rund 90 Minuten. Das ist im Alltag völlig in Ordnung. Schnellladen per USB-C-Kabel ist nicht möglich, Samsung setzt ausschließlich auf kabelloses Laden. Die Ladestation ist kompakt und lässt sich gut transportieren, haftet aber nicht magnetisch an der Uhr – man muss sie korrekt auflegen, sonst lädt sie nicht.
Fazit und Kaufempfehlung
Die Samsung Galaxy Watch Ultra ist eine solide Premium-Smartwatch mit echten Stärken bei Verarbeitung und Robustheit. Das Titangehäuse und Saphirglas halten, was sie versprechen, und die Uhr fühlt sich deutlich wertiger an als günstigere Modelle. Für Samsung-Nutzer, die eine robuste Smartwatch mit guter Wear-OS-Integration suchen und bereit sind, täglich zu laden, ist sie eine gute Wahl.
Allerdings rechtfertigt die Uhr den Preis von 649 Euro nur bedingt. Der größte Schwachpunkt ist die Akkulaufzeit: Wer mehrtägige Outdoor-Trips plant, wird enttäuscht. Hier ist eine Garmin Fenix 7 oder Epix Pro die deutlich bessere Wahl – beide kosten ähnlich viel, halten aber eine Woche oder länger durch. Auch die Sport-Features sind bei Garmin ausgereifter, vor allem bei Sportarten jenseits von Laufen und Radfahren.
Für Apple-Nutzer stellt sich die Frage ohnehin nicht: Die Apple Watch Ultra 2 ist besser ins Ökosystem integriert, bietet mehr Apps und kostet mit rund 899 Euro zwar mehr, liefert aber auch mehr. Wer bereits im Samsung-Universum unterwegs ist und eine robuste Uhr für Alltag und Sport sucht, bekommt mit der Galaxy Watch Ultra ein gutes Gerät – sollte sich aber bewusst sein, dass es in dieser Preisklasse spezialisierte Alternativen gibt, die in Teilbereichen klar überlegen sind.
Unser Rat: Für ambitionierte Ausdauersportler ist eine Garmin die bessere Wahl. Für Samsung-Nutzer, die eine hochwertige Alltagsuhr mit gelegentlichem Sport wollen, passt die Galaxy Watch Ultra. Wer primär eine Smartwatch mit vielen Apps und guter Integration sucht, sollte bei der deutlich günstigeren Galaxy Watch 6 Classic bleiben – die reicht für die meisten völlig aus.
Technische Daten
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