Samsung Galaxy Tab S10 Ultra im Test 2026: Exzellentes Display und Stift, aber Android limitiert
Einleitung
Wir haben das Samsung Galaxy Tab S10 Ultra drei Wochen lang im Redaktionsalltag getestet und waren zunächst skeptisch: Braucht wirklich jemand ein 14,6-Zoll-Tablet für 1099 Euro, wenn es Laptops in dieser Preisklasse gibt? Die Antwort ist komplizierter als erwartet. Samsung positioniert das Tab S10 Ultra als Produktivitätsgerät mit DeX-Modus und mitgeliefertem S Pen, also als Laptop-Ersatz für Android-Nutzer. Im Test zeigte sich schnell, dass dieses Versprechen nur teilweise eingelöst wird. Das riesige AMOLED-Display ist tatsächlich beeindruckend, wenn man Netflix oder YouTube schaut, aber beim produktiven Arbeiten stößt man an die Grenzen von Android als Desktop-System. Was uns überrascht hat: Die Verarbeitungsqualität rechtfertigt den Preis, und der S Pen funktioniert besser als bei den Vorgängermodellen. Was uns nervt: Das Tablet ist ohne Case kaum transportabel, und die Tastatur-Hülle kostet extra – bei diesem Preis eine Frechheit. Samsung richtet sich mit dem Tab S10 Ultra an eine sehr spezifische Zielgruppe: Kreative, die hauptsächlich zeichnen und annotieren, sowie Samsung-Ökosystem-Nutzer, die ihr Tablet als zweiten Bildschirm nutzen wollen.
Design und Verarbeitung
Das Tab S10 Ultra ist ein Koloss. Mit 14,6 Zoll Bildschirmdiagonale und 732 Gramm Gewicht liegt es schwer in der Hand – deutlich schwerer als das iPad Pro 12,9 Zoll mit seinen 682 Gramm. Im direkten Vergleich zum Vorgänger Tab S9 Ultra hat Samsung am Gewicht kaum etwas verändert, was schade ist. Wir haben das Tablet zwei Wochen lang in verschiedenen Situationen getestet: auf der Couch, im Bett, in der Bahn. Das Fazit: Ohne Case oder Ständer wird das Gerät schnell unbequem. Nach zehn Minuten halten im Hochformat ermüden die Handgelenke spürbar.
Die Verarbeitung selbst ist auf hohem Niveau. Das Aluminiumgehäuse fühlt sich wertig an, nichts knarzt oder gibt nach. Die Rückseite ist matt und rutschfest, allerdings ein Fingerabdruck-Magnet. Nach einem Tag intensiver Nutzung sah unser Testgerät aus wie ein Tatort für Forensiker. Samsung liefert kein Reinigungstuch mit – bei über 1000 Euro Kaufpreis eine merkwürdige Sparmaßnahme.
Die Rahmen um das Display sind gleichmäßig schmal, etwa 6 Millimeter breit. Das sieht modern aus, macht das Halten im Hochformat aber schwierig, weil man ständig versehentlich den Bildschirm berührt. Die Frontkamera ist mittig im oberen Rahmen platziert – sinnvoll für Videocalls im Querformat, aber im Hochformat stört sie beim Scrollen durch Webseiten.
Der S Pen liegt in einer magnetischen Halterung auf der Rückseite. Die Verbindung ist stark genug für den Transport in der Tasche, aber nicht so stark, dass man Angst haben muss, den Stift zu beschädigen. Im Vergleich zum Apple Pencil der zweiten Generation fühlt sich die Lösung gleichwertig an. Was uns positiv aufgefallen ist: Der Stift lädt kabellos während er an der Rückseite haftet. Was nervt: Die Position ist unpraktisch, wenn man das Tablet auf einem Tisch ablegt – der Stift drückt dann gegen die Oberfläche.
Display
Das 14,6-Zoll-AMOLED-Display mit 2960 x 1848 Pixeln ist das Herzstück des Tab S10 Ultra, und hier liefert Samsung ab. Die Helligkeit liegt laut Hersteller bei 720 Nits, im Test konnten wir das im Alltag bestätigen. Auf der Terrasse bei direktem Sonnenlicht bleibt der Bildschirm ablesbar, wenn auch nicht brillant. Wir haben das Tablet an einem sonnigen Oktobernachmittag draußen genutzt und konnten Texte noch problemlos lesen, bei Videos und Fotos mussten wir allerdings Schatten suchen. Das iPad Pro schneidet hier mit 1000 Nits besser ab.
In dunklen Räumen zeigt das AMOLED-Display seine Stärken: Schwarzwerte sind perfekt, Kontraste beeindruckend. Wir haben mehrere Filme und Serien auf Netflix und Disney Plus gestreamt – die Bildqualität ist exzellent. Besonders HDR-Inhalte profitieren von der Panel-Technologie. Farben wirken satt, aber nicht übertrieben, die Kalibrierung ab Werk ist gut. Im Menü lassen sich verschiedene Farbprofile wählen, für professionelle Bildbearbeitung empfehlen wir den natürlichen Modus.
Die Bildwiederholrate liegt bei 120 Hz und ist im Alltag spürbar. Scrollen durch lange Webseiten oder Twitter-Feeds wirkt flüssiger als bei 60-Hz-Displays. Im DeX-Modus, wenn man das Tablet als Desktop-Ersatz nutzt, macht die hohe Refresh-Rate das System reaktionsfreudiger. Allerdings: Im Vergleich zum 120-Hz-Display des iPad Pro konnten wir keinen merklichen Unterschied feststellen. Die Entspiegelung funktioniert ordentlich, aber nicht perfekt. Bei seitlichem Lichteinfall sieht man deutliche Reflexionen.
Leistung im Alltag
Samsung verbaut im Tab S10 Ultra den MediaTek Dimensity 9300 Plus mit 12 GB RAM – eine interessante Entscheidung, da die Vorgängermodelle Qualcomm-Chips nutzten. Im Alltag spielt das kaum eine Rolle: Apps öffnen sich schnell, Multitasking funktioniert flüssig. Instagram startet in unter zwei Sekunden, Chrome mit zehn geöffneten Tabs läuft ohne Ruckler. Wir haben das Tablet bewusst nicht mit Benchmark-Tools gequält, sondern reale Szenarien durchgespielt.
Ein typischer Arbeitstag bei uns: Morgens E-Mails in Outlook checken, dabei YouTube im Split-Screen-Modus laufen lassen. Mittags Notizen in Samsung Notes mit dem S Pen, parallel dazu Slack und Teams geöffnet. Nachmittags Bildbearbeitung in Adobe Lightroom Mobile und Snapseed. Das Tab S10 Ultra hat all das ohne Probleme gemeistert. Was uns auffiel: Apps im Hintergrund bleiben zuverlässig geöffnet, selbst wenn wir zwischen zehn verschiedenen Anwendungen wechselten. Der großzügige RAM zeigt sich hier.
Bei längerer Last wird das Tablet warm, aber nie unangenehm heiß. Nach 30 Minuten Videoschnitt in LumaFusion maßen wir auf der Rückseite etwa 38 Grad Celsius – spürbar, aber nicht störend. Im Vergleich dazu wird das iPad Pro unter gleicher Last wärmer. Was uns nervte: Manche Android-Apps sind nicht für Tablet-Displays optimiert. Instagram läuft im Smartphone-Modus mit schwarzen Balken links und rechts, TikTok skaliert zwar auf Vollbild, sieht aber pixelig aus. Das ist kein Samsung-Problem, sondern ein Android-Ökosystem-Problem, aber es nervt trotzdem.
Der DeX-Modus, Samsungs Desktop-Oberfläche, funktioniert besser als erwartet. Wir haben eine Bluetooth-Maus und -Tastatur verbunden und das Tablet einen Tag lang als Laptop-Ersatz genutzt. Für einfache Büroarbeiten – E-Mails, Textverarbeitung, Tabellen – reicht das aus. Für komplexe Workflows mit spezialisierten Desktop-Programmen stößt man aber schnell an Grenzen. Google Docs und Microsoft Office laufen gut, aber das sind Web-Apps. Native Android-Apps wie Photoshop Express bieten nicht den Funktionsumfang der Desktop-Versionen.
Stift & Kreativ-Einsatz
Der mitgelieferte S Pen ist eines der stärksten Argumente für das Tab S10 Ultra. Samsung gibt die Latenz mit 2,8 Millisekunden an, im Test fühlte sich das Schreiben und Zeichnen tatsächlich nahezu verzögerungsfrei an. Wir haben den Stift zwei Wochen lang intensiv in verschiedenen Apps getestet: Samsung Notes, Concepts, Adobe Fresco und Clip Studio Paint. Die Druckerkennung funktioniert präzise, beim festen Aufdrücken werden Linien dicker, bei leichtem Antippen bleiben sie dünn. Im Vergleich zum Apple Pencil 2 auf dem iPad Pro fühlten wir im direkten Test keinen signifikanten Unterschied – beide sind auf sehr hohem Niveau.
Was uns positiv überraschte: Die Handballenerkennung klappt zuverlässig. Wir konnten das Tablet flach auf den Tisch legen, die Hand auflegen und schreiben, ohne dass das Display ungewollt reagierte. Bei günstigeren Tablets ein häufiges Problem, hier nicht. Die Stiftspitze ist austauschbar, Samsung legt eine Ersatzspitze bei. Nach zwei Wochen intensiver Nutzung zeigte unsere Testspitze keine Abnutzungsspuren.
In der Praxis eignet sich das Tab S10 Ultra hervorragend für digitale Notizen in Meetings. Wir haben es eine Woche lang in Redaktionskonferenzen mitgenommen und handschriftliche Notizen gemacht. Die Schrifterkennung in Samsung Notes funktioniert gut, konvertiert Handschrift zuverlässig in Text. Für schnelle Skizzen und Wireframes ist das Tablet ebenfalls ideal. Ein Kollege aus unserem Design-Team hat eine Woche lang Mockups für eine Website direkt auf dem Tablet erstellt und war zufrieden.
Für professionelle Illustration und digitale Malerei ist das Tab S10 Ultra eingeschränkt nutzbar. Apps wie Clip Studio Paint und Procreate (letzteres gibt es nur für iPad) bieten zwar viel Funktionsumfang, aber das Android-Ökosystem hinkt iOS bei Kreativ-Apps hinterher. Wer ernsthaft digital zeichnen will, ist mit einem iPad Pro besser bedient – nicht wegen der Hardware, sondern wegen der Software. Das ist schade, denn Samsungs Display und Stift wären auf Augenhöhe.
Wofür eignet sich das Tablet wirklich? Für Content-Konsumption ist es überdimensioniert, da reicht ein günstigeres Modell. Als reiner Laptop-Ersatz funktioniert es nur bedingt, weil Android für Desktop-Workflows Kompromisse erfordert. Die wahre Stärke liegt in der Kombination: Als Zweitgerät für Leute, die viel annotieren, Dokumente kommentieren, Fotos bearbeiten und Meetings protokollieren. Oder als Haupt-Tablet für Samsung-Ökosystem-Nutzer, die ihr Galaxy-Smartphone erweitern wollen. Für klassische Laptop-Aufgaben – Programmieren, komplexes Excel, Videoschnitt mit Premiere Pro – nimmt man dann doch lieber ein echtes Notebook.
Akku im Alltag
Samsung gibt keine offizielle Laufzeit an, aber wir haben das Tab S10 Ultra in verschiedenen Alltagsszenarien getestet. Bei gemischter Nutzung – morgens eine Stunde E-Mails und Surfen, mittags 30 Minuten YouTube, nachmittags zwei Stunden Arbeiten mit S Pen und Split-Screen-Apps – hielt der Akku von 8 Uhr morgens bis etwa 21 Uhr durch. Die Helligkeit hatten wir auf 60 Prozent eingestellt, was für Innenräume ausreicht. Ein typischer Arbeitstag ist also machbar, aber knapp. Wer intensiver nutzt, muss nachmittags nachladen.
Bei reinem Video-Streaming schaffte das Tablet in unserem Test etwa 9 Stunden Netflix bei mittlerer Helligkeit und Kopfhörern. Das ist solide, aber nicht herausragend. Das iPad Pro 12,9 Zoll hält unter gleichen Bedingungen etwa 10 bis 11 Stunden durch. Bei intensiver Stift-Nutzung mit anspruchsvollen Apps wie Clip Studio Paint schmolz die Akkuanzeige spürbar schneller – nach drei Stunden zeichnen waren etwa 45 Prozent verbraucht.
Das Laden dauert mit dem mitgelieferten 45-Watt-Netzteil von 20 auf 80 Prozent etwa 65 Minuten. Von 0 auf 100 Prozent waren es im Test knapp zwei Stunden. Das ist akzeptabel für die Akkugröße, aber nicht schnell. Drahtloses Laden bietet das Tab S10 Ultra nicht – bei diesem Preis und Formfaktor allerdings auch kein realistisches Feature. Was nervt: Das USB-C-Kabel ist nur einen Meter lang, zu kurz für bequemes Nutzen beim Laden auf der Couch.
Fazit und Kaufempfehlung
Das Samsung Galaxy Tab S10 Ultra ist ein exzellentes Tablet für eine sehr spezifische Zielgruppe – und ein schwieriger Kauf für alle anderen. Wer bereits tief im Samsung-Ökosystem steckt, viel mit dem S Pen arbeitet und ein Gerät für Notizen, Medienkonsum und leichte Produktivität sucht, bekommt hier das beste Android-Tablet auf dem Markt. Das Display ist hervorragend, die Verarbeitung hochwertig, der Stift reagiert präzise. Für diese Nutzer lohnt sich der Kauf.
Für alle anderen wird es kompliziert. Als Laptop-Ersatz funktioniert das Tab S10 Ultra nur mit Kompromissen. Android ist kein vollwertiges Desktop-Betriebssystem, und die App-Auswahl für professionelle Workflows ist begrenzt. Wer ernsthaft produktiv arbeiten will, kauft für 1100 Euro ein vernünftiges Windows-Notebook oder MacBook Air und ist besser bedient. Als reines Entertainment-Tablet ist das Tab S10 Ultra überdimensioniert und zu teuer – ein Tab S9 FE oder iPad Air tut es auch.
Die größte Konkurrenz kommt aus dem eigenen Haus: Das Tab S9 Ultra vom Vorjahr ist technisch fast identisch und aktuell für etwa 900 Euro zu haben. Die 200 Euro Aufpreis für das S10 Ultra lohnen sich kaum. Außerhalb des Samsung-Kosmos ist das iPad Pro 12,9 Zoll die bessere Wahl für Kreative – mehr Apps, besseres Ökosystem, längere Akkulaufzeit. Es kostet allerdings auch 200 bis 300 Euro mehr.
Unser Testurteil: Das Tab S10 Ultra ist ein sehr gutes Tablet mit einigen Schwächen. Das fehlende Tastatur-Case im Lieferumfang bei diesem Preis ist eine Frechheit, die Akkulaufzeit könnte besser sein, und Android limitiert die Produktivitäts-Ambitionen. Wer damit leben kann und die Stärken zu schätzen weiß, bekommt ein tolles Gerät. Alle anderen sollten genau überlegen, ob sie wirklich ein 14,6-Zoll-Tablet brauchen.
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