Samsung Galaxy Tab A9+ im Test 2026: Solides Einsteiger-Tablet mit deutlichen Schwächen draußen
Einleitung
Wir haben das Samsung Galaxy Tab A9+ drei Wochen lang im Alltag getestet und waren gespannt, ob Samsung in der Einsteigerklasse unter 300 Euro tatsächlich ein brauchbares Tablet liefern kann. Die Erwartungen waren gedämpft: Zu oft haben wir in dieser Preisklasse lahme Prozessoren, blasse Displays und Kunststoff erlebt, der sich anfühlt wie Spielzeug. Das A9+ sollte laut Hersteller mit 11 Zoll Display, vier Lautsprechern und ordentlicher Performance punkten. Nach knapp drei Wochen intensiver Nutzung können wir sagen: Samsung hat hier tatsächlich ein solides Einsteiger-Tablet abgeliefert, das aber auch klare Schwächen zeigt.
Überrascht hat uns vor allem die Audioqualität und die flüssige Bedienung bei alltäglichen Aufgaben. Weniger begeistert waren wir vom Display, das draußen schnell an seine Grenzen stößt, und von der fehlenden Update-Garantie, die bei diesem Preis leider typisch ist. Im direkten Vergleich zum Vorgänger Tab A8 hat Samsung beim Display zugelegt, aber bei der Prozessorleistung eher seitwärts entwickelt. Für knapp 300 Euro ist das Gerät interessant für alle, die hauptsächlich streamen, surfen und gelegentlich arbeiten wollen. Wer kreativ arbeitet oder Gaming ernst nimmt, sollte weiterlesen – denn hier zeigt das A9+ seine Grenzen deutlich.
Design und Verarbeitung
Das Galaxy Tab A9+ besteht komplett aus Kunststoff und macht daraus keinen Hehl. Mit 480 Gramm liegt es angenehm in der Hand, fühlt sich aber deutlich günstiger an als etwa ein iPad der 10. Generation oder das Lenovo Tab P11. Der Rahmen ist gleichmäßig breit, was in 2026 etwas altbacken wirkt – viele Konkurrenten setzen mittlerweile auf schmalere Ränder. Die Rückseite ist glatt und rutschig. Nach zwei Wochen ohne Hülle hatten wir bereits erste Mikrokratzer auf der Rückseite, obwohl wir das Tablet pfleglich behandelt haben.
Positiv fiel uns die Verarbeitung auf: Keine knarzenden Stellen, kein Spaltmaß-Chaos. Die Tasten sitzen fest und haben einen klaren Druckpunkt. Was uns aber gestört hat: Die Power-Taste und die Lautstärkewippe sitzen beide auf der rechten Seite, wenn man das Tablet im Querformat hält. Beim Greifen haben wir mehrfach versehentlich die Lautstärke verstellt oder den Standby aktiviert. Samsung hätte hier eine bessere Positionierung wählen können.
Mit 6,9 Millimetern ist das Tablet angenehm dünn, allerdings wackelt es auf dem Tisch merklich, wenn man tippt. Die vier Lautsprecher sitzen an den Ecken – ein cleveres Detail für die Preisklasse. Sie werden allerdings leicht verdeckt, wenn man das Tablet im Querformat in der Hand hält. Ein Klinkenanschluss fehlt komplett, was 2026 zwar Standard ist, aber in dieser Preisklasse durchaus noch erwartet werden darf.
Im Vergleich zum Xiaomi Redmi Pad SE, das es für ähnliches Geld gibt, wirkt das Samsung hochwertiger verarbeitet. Gegen ein iPad oder gar ein Galaxy Tab S9 FE sieht es aber deutlich günstiger aus. Für knapp 300 Euro geht die Verarbeitung in Ordnung, mehr aber auch nicht. Eine Hülle ist Pflicht, wenn man das Tablet länger nutzen will.
Display
Das 11-Zoll-LCD löst mit 1920 x 1200 Pixeln auf und bietet 90 Hz Bildwiederholrate. Im Alltag merkt man den Unterschied zu 60 Hz beim Scrollen durch Webseiten oder Instagram deutlich – alles läuft flüssiger. Die Pixeldichte ist mit rund 206 ppi ausreichend für diese Preisklasse, einzelne Pixel erkennt man bei normalem Betrachtungsabstand nicht. Schriften wirken scharf, Videos schauen wir gerne darauf.
Problematisch wird es bei der Helligkeit. In Innenräumen ist das Display vollkommen ausreichend, auch bei gedimmtem Licht stört uns nichts. Draußen im Sonnenlicht wird es jedoch schnell kritisch. Selbst bei maximaler Helligkeit konnten wir auf der Terrasse oder im Park nur schlecht erkennen, was auf dem Display passiert. Zum Vergleich: Ein iPad der 10. Generation ist unter gleichen Bedingungen deutlich besser ablesbar. Wer das Tablet hauptsächlich draußen nutzen will, wird frustriert sein.
Die Farbdarstellung ist okay, aber nicht mehr. Farben wirken etwas flau, besonders Rottöne fallen blass aus. Neben einem OLED-Display wie beim Tab S9 FE sieht man den Unterschied sofort. Für Netflix und YouTube reicht es allemal, für Bildbearbeitung würden wir das A9+ nicht empfehlen. Auch der Schwarzwert ist typisch LCD: Schwarze Flächen wirken eher dunkelgrau, besonders wenn man im Dunkeln schaut.
Reflexionen sind ein echtes Problem. Die Displayoberfläche spiegelt stark, in Räumen mit Fensterfronten oder unter Deckenlampen haben wir uns oft neu positionieren müssen. Eine matte Displayschutzfolie könnte hier Abhilfe schaffen, mindert aber die ohnehin nicht berauschende Helligkeit weiter.
Leistung im Alltag
Im Galaxy Tab A9+ arbeitet ein Qualcomm Snapdragon 695, kombiniert mit 4 GB oder 8 GB RAM – unser Testgerät hatte 4 GB. Für den Alltag reicht das überraschend gut. Instagram öffnet in etwa zwei Sekunden, YouTube läuft flüssig, und auch beim Wechseln zwischen Apps gab es selten Ruckler. Anders sieht es aus, wenn wir mehrere Apps parallel nutzen: Mit Chrome, Spotify und Samsung Notes gleichzeitig geöffnet, merkten wir deutliche Verzögerungen beim App-Wechsel. Apps mussten teilweise neu laden.
Bei anspruchsvolleren Aufgaben zeigt das Tablet seine Grenzen. Wir haben versucht, in Lightroom Mobile ein paar Urlaubsfotos zu bearbeiten – das ging, war aber zäh. Filter anzuwenden dauerte spürbar länger als auf einem Mittelklasse-Smartphone. Auch beim Rendern eines kurzen Videos in CapCut mussten wir Geduld mitbringen. Für schnelle Social-Media-Edits reicht es, für ernsthaftes Arbeiten nicht.
Gaming ist möglich, aber mit Abstrichen. Casual Games wie Candy Crush oder Monument Valley laufen problemlos. Bei Genshin Impact auf mittleren Einstellungen hatten wir durchschnittlich 35 bis 40 fps, was spielbar ist, aber nicht flüssig. Nach 20 Minuten wurde die Rückseite merklich warm, nicht unangenehm, aber spürbar. Der Prozessor drosselt dann leicht, die Framerate sinkt weiter. Zum Vergleich: Das Xiaomi Pad 6, das nur 50 Euro mehr kostet, spielt Genshin deutlich flüssiger.
Positiv: Das System bleibt auch nach Wochen flott. Samsung hat hier offenbar gute Arbeit bei der Software-Optimierung geleistet. One UI in der Tablet-Version läuft rund, Animationen sind flüssig, und wir hatten keinen einzigen Systemabsturz. Die Gestensteuerung funktioniert zuverlässig, auch das Multitasking mit Split-Screen klappt gut – solange man nicht zu viele Apps gleichzeitig nutzt.
Der interne Speicher beträgt wahlweise 64 oder 128 GB, erweiterbar per microSD. Unser 64-GB-Modell war nach Installation der wichtigsten Apps und ein paar heruntergeladenen Netflix-Folgen schnell voll. Wer viel speichern will, sollte zur 128-GB-Variante greifen oder in eine schnelle microSD investieren.
Stift & Kreativ-Einsatz
Einen Stift liefert Samsung nicht mit, und anders als bei den teureren S-Modellen unterstützt das Tab A9+ auch keinen S Pen. Für kreative Arbeiten mit Stifteingabe ist das Tablet also nicht gedacht. Wir haben stattdessen getestet, wie gut sich das A9+ für produktive Aufgaben ohne Stift eignet – und auch hier zeigen sich klare Grenzen.
Mit einem externen Bluetooth-Keyboard, das wir für 35 Euro dazugekauft haben, lässt sich das Tablet prinzipiell zum Arbeitsgerät umfunktionieren. Wir haben E-Mails beantwortet, Google Docs bearbeitet und Tabellen in Excel ausgefüllt. Das geht, macht aber nicht wirklich Spaß. Die 4 GB RAM werden schnell knapp, wenn man mehrere Browser-Tabs, eine Tabellenkalkulation und Spotify gleichzeitig offen hat. Dann lädt das System Apps im Hintergrund neu, was den Workflow unterbricht.
Der Split-Screen-Modus funktioniert grundsätzlich gut. Wir konnten problemlos links ein YouTube-Tutorial laufen lassen, während wir rechts Notizen machten. Die Fenstergrößen lassen sich flexibel anpassen, und die meisten Apps spielen mit. Allerdings wird die Bedienung fummelig: Bei zwei Apps nebeneinander hat jede nur noch etwa 5,5 Zoll Platz – auf einem 11-Zoll-Display eigentlich genug, aber die breiten Ränder fressen wertvollen Platz.
Samsung DeX, die Desktop-Oberfläche für Galaxy-Tablets, läuft auf dem A9+, bringt aber wenig Mehrwert. Das System wird träge, Apps öffnen langsam, und die multitasking-Performance bricht ein. DeX ist hier eher ein Marketing-Feature als ein echter Produktivitäts-Booster. Wer ernsthaft arbeiten will, greift besser zum Laptop oder investiert in ein Tab S9 FE.
Für leichte Büroarbeiten – eine Mail hier, eine schnelle Recherche da – ist das Tablet absolut brauchbar. Wer aber täglich mehrere Stunden produktiv arbeiten will, wird frustriert sein. Das Tab A9+ ist kein Laptop-Ersatz, sondern ein Medien-Konsumgerät mit gelegentlichen Office-Fähigkeiten. Gaming-Performance haben wir bereits im vorigen Abschnitt behandelt: Für Casual Games okay, für anspruchsvolle Titel zu schwach.
Ein echter Vorteil: Die vier Lautsprecher. Beim Streamen von Serien oder YouTube-Videos liefern sie einen erstaunlich vollen Klang für diese Preisklasse. Klar, Bässe fehlen fast komplett, aber für Dialoge und Musik reicht es. Im Vergleich zum iPad 2022 klingt das Samsung sogar minimal räumlicher, weil die Lautsprecher besser positioniert sind. Für Video-Calls sind die Lautsprecher ebenfalls gut – Gesprächspartner verstanden uns klar, auch in einer lauten Umgebung.
Akku im Alltag
Samsung verbaut einen Akku, der laut Datenblatt für mehrere Stunden Video-Streaming reichen soll. Im Alltag haben wir das Tablet morgens um 8 Uhr vom Ladegerät genommen und mit typischer Nutzung getestet: E-Mails checken, zwei Stunden YouTube, eine Stunde Netflix, zwischendurch Surfen und Social Media. Gegen 22 Uhr waren noch etwa 15 Prozent übrig. Das reicht also knapp für einen langen Tag, vorausgesetzt man nutzt das Tablet nicht durchgehend.
Bei intensiverer Nutzung wird es knapp. An einem Sonntag haben wir das Tablet für drei Stunden Streaming und zwei Stunden Gaming genutzt – um 18 Uhr war der Akku leer. Wer das A9+ auf Reisen dabei hat und länger unterwegs ist, sollte ein Ladegerät einpacken. Zum Vergleich: Ein iPad 10 hält unter gleichen Bedingungen etwa zwei Stunden länger durch.
Das Aufladen dauert relativ lang. Mit dem mitgelieferten 15-Watt-Ladegerät brauchten wir von 20 auf 80 Prozent etwa anderthalb Stunden. Von 0 auf 100 Prozent waren es knappe drei Stunden. Schnellladen beherrscht das Tablet nicht, auch wenn man ein stärkeres Netzteil nutzt – wir haben es mit einem 45-Watt-Ladegerät probiert, es brachte keinen Unterschied. Drahtloses Laden gibt es nicht, was in dieser Preisklasse aber auch niemand erwartet.
Im Standby hält sich das Tablet wacker. Über Nacht verlor es etwa 3 bis 5 Prozent, was in Ordnung geht. Wer das Tablet nur gelegentlich nutzt, muss es also nicht täglich laden. Allerdings gibt es keine besonders cleveren Energiesparfunktionen – Samsung setzt hier auf Standard-Android ohne große Optimierungen.
Fazit und Kaufempfehlung
Das Samsung Galaxy Tab A9+ ist ein solides Einsteiger-Tablet für alle, die hauptsächlich streamen, surfen und gelegentlich leichte Office-Arbeiten erledigen wollen. Für 299 Euro bekommt man ein großes 11-Zoll-Display mit 90 Hz, ordentliche Lautsprecher und eine im Alltag ausreichende Performance. Die Verarbeitung ist okay, die Software läuft rund, und der Akku reicht für einen normalen Tag.
Kaufen sollten das Tab A9+ vor allem Nutzer, die ein günstiges Zweitgerät für die Couch oder Küche suchen. Auch für Kinder oder ältere Menschen, die kein High-End-Gerät brauchen, ist es eine sinnvolle Wahl. Wer viel Netflix und YouTube schaut und gelegentlich mal eine E-Mail schreibt, wird mit dem Tablet zufrieden sein. Die vier Lautsprecher und das große Display machen es zu einem guten Medien-Konsum-Gerät.
Nicht kaufen sollten das A9+ alle, die produktiv arbeiten wollen oder das Tablet als Laptop-Ersatz nutzen möchten. Mit nur 4 GB RAM stößt das System bei Multitasking schnell an Grenzen. Auch für ambitionierte Gamer oder kreative Nutzer, die mit Stift arbeiten wollen, ist das Tablet ungeeignet. Das Display ist draußen zu dunkel, die Reflexionen nerven, und die Farben sind bestenfalls durchschnittlich.
Alternativen gibt es einige: Für 50 Euro mehr bekommt man das Xiaomi Pad 6 mit besserer Performance und hellerem Display. Wer im Apple-Ökosystem ist, sollte zum iPad 2022 greifen, das zwar 100 Euro teurer ist, aber deutlich länger Updates bekommt und besser verarbeitet ist. Das Lenovo Tab P11 ist ebenfalls eine Überlegung wert und bietet ein besseres Display bei ähnlichem Preis. Insgesamt ist das Tab A9+ ein faires Angebot für 299 Euro, aber kein Schnäppchen und definitiv kein Alleskönner.
Technische Daten
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