Samsung Galaxy A55 5G im Test 2026: Solide Mittelklasse mit ärgerlichen Schwächen
Einleitung
Wir haben das Samsung Galaxy A55 5G drei Wochen lang im Alltag getestet und uns dabei die Frage gestellt: Braucht man 2025 noch ein Flaggschiff für über 1000 Euro, oder reicht ein Mittelklasse-Smartphone für 449 Euro? Samsung bewirbt das A55 als das beste Mittelklasse-Gerät des Jahres, ausgestattet mit einer 50-Megapixel-Kamera, IP67-Schutz gegen Wasser und Staub sowie einem 5000-mAh-Akku. Das klingt auf dem Papier nach viel Smartphone fürs Geld, doch wie schlägt sich das Gerät im täglichen Einsatz wirklich?
Bereits beim Auspacken fiel uns auf, dass Samsung beim A55 offenbar mehr Wert auf die Ausstattung gelegt hat als beim Vorgänger A54. Das Display wirkt heller, das Gehäuse fühlt sich wertiger an. Überrascht hat uns vor allem, wie nah Samsung mit diesem Mittelklasse-Modell an die eigenen Flaggschiffe der S-Serie herankommt. Gleichzeitig zeigten sich im Test aber auch die typischen Kompromisse, die man in dieser Preisklasse eingehen muss. Besonders beim Laden und bei der Kamera-Performance unter schwierigen Lichtbedingungen wurde schnell klar: Hier wurde gespart. Ob die Stärken die Schwächen überwiegen, klären wir in diesem ausführlichen Testbericht.
Design und Verarbeitung
Das Galaxy A55 liegt mit seinen 213 Gramm spürbar schwerer in der Hand als viele Konkurrenten. Zum Vergleich: Das Google Pixel 7a wiegt nur 193 Gramm, das Xiaomi Redmi Note 13 Pro kommt auf 199 Gramm. Im direkten Vergleich merkt man den Unterschied nach einer halben Stunde Nutzung deutlich, besonders wenn man das Gerät einhändig bedient oder längere Zeit zum Fotografieren hochhält.
Die Rückseite besteht aus Kunststoff mit einer matten Beschichtung, die Samsung als Glasoptik vermarktet. Im Alltag fühlt sich das Material solide an und zieht kaum Fingerabdrücke an, was positiv auffiel. Allerdings täuscht die Optik nicht darüber hinweg, dass es sich um Plastik handelt. Wer das A55 neben ein iPhone 14 oder Galaxy S23 legt, sieht und spürt den Unterschied sofort. Der Metallrahmen hingegen wirkt wertig und vermittelt mehr Stabilität als beim A54, wo Samsung noch komplett auf Kunststoff setzte.
Positiv überraschte uns der IP67-Schutz, den man in dieser Preisklasse nicht selbstverständlich findet. Wir haben das Smartphone mehrfach im Regen genutzt und einmal versehentlich auf eine nasse Küchenarbeitsplatte gelegt, ohne dass Probleme auftraten. Das gibt im Alltag ein gutes Sicherheitsgefühl. Allerdings nervte uns die Platzierung des Fingerabdrucksensors unter dem Display: Er sitzt etwas zu tief, sodass wir beim ersten Griff zum Handy oft daneben tippten. Nach einer Woche hatte man sich daran gewöhnt, intuitiv ist aber anders.
Die Verarbeitung ist insgesamt sauber, Spaltmaße sind gleichmäßig, nichts knarzt oder wackelt. Für 449 Euro fühlt sich das A55 nach einem fairen Deal an, aber nicht nach einem Schnäppchen. Das Honor 90 oder das Nothing Phone 2 bieten in ähnlicher Preisklasse ein hochwertigeres Materialgefühl, verzichten dafür aber auf den IP67-Schutz.
Display
Samsung verbaut im A55 ein 6,6-Zoll-AMOLED-Display mit 120 Hertz Bildwiederholrate. Im Alltag zeigte sich das Panel als eine der größten Stärken des Geräts. Die Farben wirken kräftig und lebendig, typisch für Samsung-Displays, ohne dabei unnatürlich übersättigt zu sein. Beim Scrollen durch Instagram oder beim Wischen zwischen Apps macht sich die hohe Bildwiederholrate angenehm bemerkbar. Im direkten Vergleich mit einem 60-Hertz-Display sieht man den Unterschied sofort, das A55 fühlt sich flüssiger und moderner an.
In Innenräumen liefert das Display eine mehr als ausreichende Helligkeit. Selbst im abgedunkelten Schlafzimmer lässt sich die Helligkeit so weit reduzieren, dass man nicht geblendet wird. Anders sieht es draußen bei direkter Sonneneinstrahlung aus: Hier stößt das Display an seine Grenzen. Wir haben das A55 mehrfach bei sonnigem Wetter für Navigation genutzt und mussten dabei die Hand schützend über das Display halten, um Inhalte vernünftig ablesen zu können. Die angegebene maximale Helligkeit reicht für die meisten Situationen, aber Premium-Geräte wie das Galaxy S24 oder iPhone 15 sind hier deutlich besser ablesbar.
Reflexionen sind auf dem Display sichtbar, aber nicht störend. Die Beschichtung könnte etwas matter sein, im Alltag fiel das aber nur auf, wenn wir gezielt darauf achteten. Was uns hingegen nervte: Der schwarze Rahmen um das Display ist vergleichsweise breit, besonders am unteren Rand. Das wirkt nicht mehr zeitgemäß und stört die sonst gute Optik. Für ein Mittelklasse-Gerät ist das Display insgesamt aber mehr als solide und gehört zu den besten, die wir in dieser Preisklasse gesehen haben.
Leistung im Alltag
Samsung setzt im Galaxy A55 auf den hauseigenen Exynos 1480 Prozessor, der in der Mittelklasse angesiedelt ist. Im Alltag reicht die Leistung für die meisten Aufgaben vollkommen aus. Apps wie Instagram, WhatsApp oder Spotify öffnen sich binnen einer Sekunde, Multitasking zwischen mehreren Apps funktioniert flüssig. Wir haben das Gerät drei Wochen lang als Hauptsmartphone genutzt und hatten dabei keine nennenswerten Ruckler oder Verzögerungen bei alltäglichen Aufgaben.
Anders sieht es aus, wenn man das A55 etwas mehr fordert. Beim Schneiden eines kurzen 4K-Videos in der Samsung-eigenen Galerie-App dauerte der Export merklich länger als auf einem Flaggschiff-Gerät. Auch beim Laden von aufwendig gestalteten Webseiten mit vielen Bildern und Animationen kam es gelegentlich zu kurzen Verzögerungen. Das sind keine Dealbreaker, zeigen aber, wo die Grenzen des Prozessors liegen.
Gaming ist mit dem A55 möglich, aber mit Einschränkungen. Casual Games wie Candy Crush oder Monument Valley laufen einwandfrei. Bei anspruchsvolleren Titeln wie Genshin Impact oder Call of Duty Mobile mussten wir die Grafikeinstellungen jedoch reduzieren, um eine flüssige Darstellung zu erreichen. Auf höchsten Einstellungen kam es zu spürbaren Framedrops, und das Gerät wurde nach etwa 20 Minuten Spielzeit spürbar warm an der Rückseite. Nicht unangenehm heiß, aber deutlich wärmer als im normalen Betrieb.
Was uns positiv auffiel: Auch nach mehreren Wochen Nutzung fühlte sich das System nicht langsamer an. Viele Android-Geräte in dieser Preisklasse neigen dazu, nach einigen Wochen träger zu werden, das konnten wir beim A55 nicht feststellen. Samsung verspricht vier Jahre Android-Updates und fünf Jahre Sicherheitsupdates, was für Langzeitnutzer ein wichtiges Argument ist. Im direkten Vergleich zum Xiaomi Redmi Note 13 Pro fühlt sich das A55 etwas flinker an, gegen das Google Pixel 7a mit seinem Tensor-Chip zieht es aber den Kürzeren, vor allem bei KI-gestützten Funktionen.
Kamera im Alltag
Die 50-Megapixel-Hauptkamera des Galaxy A55 liefert bei guten Lichtverhältnissen solide Ergebnisse. Fotos von der Mittagspause im Café oder Schnappschüsse im Park zeigten kräftige Farben und ausreichend Details. Die Bilder wirken leicht nachgeschärft, was typisch für Samsung ist, aber nicht übertrieben. Für Instagram oder WhatsApp sind die Aufnahmen mehr als ausreichend, größere Drucke würden wir aber nicht davon anfertigen lassen.
Anders sieht es bei schlechtem Licht aus. Beim Fotografieren des Abendessens in einem gemütlich beleuchteten Restaurant zeigten sich die Schwächen deutlich. Die Bilder wirkten verrauscht, Details verschwammen, und die Farben wurden merklich matter. Der Nachtmodus hilft etwas, benötigt aber mehrere Sekunden Aufnahmezeit, in denen man das Smartphone absolut ruhig halten muss. Verwackelte Aufnahmen waren bei uns häufiger das Ergebnis als brauchbare Fotos. Hier merkt man den Unterschied zu teureren Geräten wie dem Pixel 8 oder iPhone 15, die in solchen Situationen deutlich bessere Ergebnisse liefern.
Die 12-Megapixel-Ultraweitwinkelkamera ist brauchbar für Gruppenfotos oder Landschaftsaufnahmen, zeigt aber spürbar weniger Details als die Hauptkamera. An den Bildrändern kommt es zu leichten Verzerrungen, und bei schlechtem Licht wird die Qualität schnell unbrauchbar. Die 5-Megapixel-Makrokamera können wir getrost ignorieren, die Ergebnisse sind matschig und unscharf. Hier hätte Samsung besser auf diese Kamera verzichtet und die Ressourcen in die Hauptkamera gesteckt.
Selfies gelingen mit der 32-Megapixel-Frontkamera ordentlich. Selbst bei Gegenlicht in der Sonne blieben Gesichter gut belichtet, ohne dass der Hintergrund komplett ausbrannte. Der Porträtmodus funktioniert zuverlässig, auch wenn die Freistellung an komplexen Stellen wie Haaren gelegentlich daneben liegt. Videos in 4K sehen bei gutem Licht ansprechend aus, die Stabilisierung funktioniert besser als erwartet. Bei einem Stadtspaziergang waren die Aufnahmen ausreichend verwacklungsfrei, auch wenn ein Gimbal natürlich bessere Ergebnisse liefert. Bei schlechtem Licht oder in Innenräumen werden Videos jedoch schnell körnig.
Der digitale Zoom bis 10-fach ist bestenfalls als Notlösung zu betrachten. Ab 5-facher Vergrößerung werden Bilder matschig und verlieren massiv an Details. Für schnelle Schnappschüsse reicht es, mehr aber auch nicht. Im Vergleich zum Vorgänger A54 hat sich die Kamera-Qualität leicht verbessert, gegen Konkurrenten wie das Xiaomi Redmi Note 13 Pro mit seiner 200-Megapixel-Kamera zieht das A55 aber den Kürzeren, zumindest was die Detailschärfe bei Tageslicht angeht.
Akku im Alltag
Samsung verbaut im A55 einen 5000-mAh-Akku, der im Alltag ordentliche Laufzeiten liefert. Bei unserer typischen Nutzung mit etwa zwei Stunden Social Media, einer Stunde Video-Streaming, gelegentlichem Fotografieren und mehreren Stunden Musik hören über Bluetooth-Kopfhörer schaffte das Gerät problemlos einen vollen Tag. Abends gegen 22 Uhr waren meist noch zwischen 20 und 30 Prozent Restladung vorhanden. An Tagen mit intensiverer Nutzung, etwa mit einer Stunde Navigation und mehreren Video-Calls, war der Akku abends bei etwa 15 Prozent angelangt.
Was uns jedoch enttäuschte, ist die Ladegeschwindigkeit. Samsung unterstützt lediglich 25 Watt kabelgebundenes Laden, und ein Ladegerät liegt nicht einmal bei. Von 20 auf 80 Prozent dauerte es in unserem Test knapp 50 Minuten, eine vollständige Ladung benötigte etwa 90 Minuten. Das ist für 2025 schlicht zu langsam. Konkurrenten wie das Xiaomi Redmi Note 13 Pro laden mit 67 Watt in unter 30 Minuten vollständig, das OnePlus Nord 3 schafft es sogar in 25 Minuten. Hier hat Samsung eindeutig zu stark gespart.
Drahtloses Laden fehlt komplett, was in dieser Preisklasse mittlerweile nicht mehr selbstverständlich ist, aber durchaus von einigen Konkurrenten angeboten wird. Wer kabelloses Laden nutzen möchte, muss zu einem teureren Galaxy-Modell greifen. Im Alltag nervte uns das fehlende Ladegerät in der Verpackung am meisten. Wer nicht zufällig noch ein altes USB-C-Netzteil mit mindestens 25 Watt herumliegen hat, muss zusätzlich etwa 20 Euro investieren. Das sollte man beim Preisvergleich einkalkulieren.
Fazit und Kaufempfehlung
Das Samsung Galaxy A55 5G ist ein solides Mittelklasse-Smartphone ohne große Überraschungen. Es macht vieles gut, aber nichts wirklich herausragend. Das Display überzeugt, die Alltagsleistung reicht für die meisten Nutzer aus, und der Akku hält einen langen Tag durch. Der IP67-Schutz ist ein echtes Plus gegenüber vielen Konkurrenten und gibt im Alltag ein beruhigendes Gefühl. Für 449 Euro bekommt man ein verlässliches Arbeitsgerät, das die nächsten Jahre ohne Probleme durchhalten sollte.
Gleichzeitig zeigt das A55 aber auch, wo Samsung in der Mittelklasse spart. Die langsame Ladegeschwindigkeit nervt im Alltag, besonders wenn man es eilig hat. Die Kamera liefert nur bei gutem Licht überzeugende Ergebnisse und fällt bei schlechten Lichtverhältnissen deutlich ab. Das Gewicht ist für ein Smartphone dieser Größe spürbar hoch, und das fehlende Ladegerät ist ärgerlich.
Wir würden das A55 vor allem denjenigen empfehlen, die Wert auf ein zuverlässiges Android-Smartphone mit langer Update-Garantie legen und keine extremen Ansprüche an die Kamera stellen. Wer hauptsächlich bei Tageslicht fotografiert, Social Media nutzt und gelegentlich Videos schaut, wird mit dem A55 zufrieden sein. Auch die Integration ins Samsung-Ökosystem spricht für das Gerät, wenn man bereits andere Samsung-Produkte besitzt.
Weniger geeignet ist das A55 für alle, die viel bei schlechtem Licht fotografieren, regelmäßig anspruchsvolle Spiele spielen oder schnelles Laden benötigen. In diesen Fällen sollte man sich das Google Pixel 7a anschauen, das zwar etwas älter ist, aber eine deutlich bessere Kamera bietet. Das Xiaomi Redmi Note 13 Pro ist eine gute Alternative für alle, denen schnelles Laden wichtig ist. Wer im Samsung-Universum bleiben möchte und etwas mehr Budget hat, sollte zum Galaxy S23 FE greifen, das regelmäßig für unter 550 Euro zu haben ist und spürbar mehr Leistung bietet.
Technische Daten
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