Huawei Watch Fit 4 Pro im Test 2026: Gute Akkulaufzeit, schwaches Ökosystem
Einleitung
Die Huawei Watch Fit 4 Pro bewegt sich in einem umkämpften Segment: Sie will mehr als ein einfaches Fitness-Armband sein, aber nicht den vollen Funktionsumfang einer Premium-Smartwatch bieten. Für knapp 200 Euro positioniert sich das Gerät zwischen günstigen Trackern und teuren Smartwatches von Apple oder Samsung. Wir haben die Watch Fit 4 Pro drei Wochen lang im Alltag getragen – beim Sport, im Büro, beim Schlafen und auf Reisen. Besonders gespannt waren wir auf die versprochenen 10 Tage Akkulaufzeit und die GPS-Genauigkeit, die Huawei als Verkaufsargumente nennt. Überrascht hat uns vor allem das schlanke Design, das sich deutlich unauffälliger am Handgelenk anfühlt als etwa eine Apple Watch Series 9. Weniger überzeugend war hingegen das Ökosystem: Ohne Google-Dienste fehlen wichtige Apps, und die Synchronisation mit Android-Smartphones läuft nicht immer reibungslos. Auch die Bedienung über das rechteckige Display braucht Eingewöhnung, besonders bei schnellen Eingaben unterwegs. Für wen lohnt sich die Watch Fit 4 Pro also wirklich, und wo liegen die Schwächen im Vergleich zur Konkurrenz?
Design und Verarbeitung
Mit 34 Gramm Gewicht fällt die Watch Fit 4 Pro kaum am Handgelenk auf. Das rechteckige Gehäuse misst 43 mal 36 Millimeter und ist damit deutlich kompakter als eine Apple Watch SE oder die Samsung Galaxy Watch 6. Das Aluminiumgehäuse wirkt solide verarbeitet, allerdings ohne das Premium-Gefühl einer teureren Smartwatch. An der rechten Seite befindet sich eine einzelne Taste, die als Home-Button und für den Schnellzugriff auf Trainingsfunktionen dient. Im Vergleich zur Vorgängerversion Watch Fit 3 hat sich optisch wenig getan – die Formsprache bleibt nahezu identisch.
Das mitgelieferte Silikonarmband liegt angenehm auf der Haut und hinterlässt selbst nach mehrstündigen Trainingseinheiten keine Druckstellen. Allerdings bemerkten wir nach zwei Wochen erste leichte Verfärbungen am hellen Armband, besonders nach dem Tragen beim Sport. Der Verschluss rastet sicher ein, wirkt aber nicht so hochwertig wie die Magnetverschlüsse teurerer Modelle. Positiv: Das Band lässt sich werkzeuglos wechseln, was bei dieser Preisklasse nicht selbstverständlich ist.
Die Rückseite besteht aus Kunststoff mit den optischen Sensoren für Herzfrequenz und Blutsauerstoffmessung. Diese ragen minimal aus dem Gehäuse heraus, was bei eng anliegenden Hemdsärmeln gelegentlich stört. Wasser hält die Uhr laut Huawei bis 5 ATM stand – im Test hatten wir sie mehrfach beim Schwimmen und Duschen dabei, ohne Probleme festzustellen.
Was nervt: Die Ladestation ist proprietär und funktioniert nur mit diesem einen Modell. Im Vergleich zur Konkurrenz von Garmin oder Polar, die oft Standard-USB-Anschlüsse nutzen, bedeutet das: Wer die Ladestation vergisst, steht unterwegs dumm da. Für rund 200 Euro hätten wir uns hier eine flexiblere Lösung gewünscht. Das Gesamtpaket wirkt für den Preis angemessen, erreicht aber nicht die Wertigkeit einer Garmin Venu 3, die in einer ähnlichen Preisklasse spielt.
Display
Das 1,82 Zoll große AMOLED-Display löst mit 347 mal 480 Pixeln auf und liefert im Alltag ein scharfes Bild. Texte sind klar lesbar, Icons wirken knackig. Die Helligkeit regelt die Watch Fit 4 Pro automatisch, allerdings nicht immer zuverlässig: In direktem Sonnenlicht während unserer Testläufe im Park mussten wir mehrfach manuell nachregeln, weil das Display zu dunkel blieb. Bei manueller Einstellung auf maximale Helligkeit ist der Bildschirm auch bei Sonneneinstrahlung ablesbar, erreicht aber nicht die Leuchtraft einer Apple Watch Ultra oder einer Garmin Epix.
Im dunklen Schlafzimmer wiederum leuchtet das Display selbst auf niedrigster Stufe recht hell – wer nachts die Uhrzeit checken will, wird geblendet. Hier hätte ein dedizierter Nachtmodus mit noch geringerer Helligkeit geholfen. Die Always-On-Funktion zeigt permanent eine reduzierte Ansicht mit Uhrzeit und Datum. Das kostet spürbar Akku, etwa 20 Prozent mehr Verbrauch pro Tag in unserem Test.
Die Farbdarstellung ist typisch AMOLED: satte Schwarztöne, kräftige Farben. Einige Watchfaces wirken dadurch allerdings zu grell, besonders die vorinstallierten Sport-Designs mit Neonfarben. Reflexionen sind dank der leicht gewölbten Oberfläche moderat, stören aber bei flachem Lichteinfall. Eine Bildwiederholrate wird von Huawei nicht angegeben, Animationen beim Wischen laufen flüssig, ohne spürbare Ruckler. Im direkten Vergleich zur günstigeren Xiaomi Smart Band 8 Pro wirkt das Display einen Tick hochwertiger, die Unterschiede sind aber marginal.
Leistung im Alltag
Die Watch Fit 4 Pro läuft mit Huaweis eigenem Betriebssystem HarmonyOS 5. Im Alltag bedeutet das: Die Bedienung ist flüssig, Apps öffnen schnell, Wischgesten reagieren ohne spürbare Verzögerung. Ein typischer Ablauf – Wischen vom Homescreen zum Trainingsmenü, Auswahl einer Aktivität, Start des GPS-Trackings – dauert etwa fünf Sekunden. Das ist schneller als bei vielen Budget-Trackern, aber nicht so reaktionsschnell wie bei einer Apple Watch.
Problematisch wird es beim App-Angebot: Instagram, WhatsApp, Spotify – diese Apps gibt es nicht für HarmonyOS. Stattdessen ist man auf Huaweis App Gallery angewiesen, die im Vergleich zu Google Play oder dem Apple App Store extrem dünn bestückt ist. Wir konnten zwar Benachrichtigungen von allen installierten Smartphone-Apps empfangen, aber nicht direkt auf der Uhr beantworten. Bei WhatsApp-Nachrichten zeigt die Uhr den Inhalt an, eine Antwort ist aber nur mit vorgefertigten Textbausteinen möglich – und die funktionieren nur eingeschränkt mit Android-Smartphones.
Die Synchronisation mit unserem Test-Smartphone (Samsung Galaxy S24) verlief über die Huawei Health App. Diese ist funktional, wirkt aber gegenüber Samsungs eigener Health-App oder Apples Fitness-App weniger ausgereift. Trainingsdaten wurden meist innerhalb von Minuten übertragen, gelegentlich dauerte es aber bis zu einer Stunde, bis eine absolvierte Laufeinheit auf dem Smartphone auftauchte. Störend: Die App verlangt regelmäßig nach Updates und Berechtigungen, die teilweise unnötig erscheinen.
Musik lässt sich auf der Uhr speichern – allerdings nur über Huawei Music, was in Deutschland kaum jemand nutzt. Für Läufer, die ohne Smartphone unterwegs sein wollen, ist das ein klarer Nachteil gegenüber Garmin-Uhren, die Spotify-Playlists offline speichern können. Die Steuerung von Musik auf dem Smartphone funktioniert hingegen problemlos, egal ob Spotify, YouTube Music oder andere Apps.
Warm wird die Uhr im Alltag nicht, selbst nach längeren GPS-Aufzeichnungen bleibt die Temperatur unauffällig. Die Vibration für Benachrichtigungen ist kräftig genug, um auch beim Sport wahrgenommen zu werden, wirkt aber etwas grobmotorisch im Vergleich zur sanften Taptic Engine einer Apple Watch.
Kamera im Alltag
Die Huawei Watch Fit 4 Pro hat keine Kamera – und das ist auch gut so. Smartwatches mit integrierter Kamera haben sich in der Praxis nie durchgesetzt, die Bildqualität ist meist miserabel und der Nutzen fragwürdig. Huawei verzichtet hier konsequent und spart dadurch Bauraum und Akkukapazität für sinnvollere Features.
Was die Uhr stattdessen bietet: Eine Fernauslöser-Funktion für die Smartphone-Kamera. Über die Huawei Health App lässt sich die Kamera des verbundenen Smartphones von der Uhr aus steuern. Wir haben das beim Familienfoto am Wochenende getestet – das Smartphone auf einem Stativ positioniert, per Uhr ausgelöst. Die Verzögerung zwischen Tastendruck auf der Uhr und Auslösung liegt bei etwa einer Sekunde, was für Gruppenfotos ausreicht. Die Vorschau auf dem kleinen Uhrbildschirm ist allerdings so klein, dass man die Bildkomposition kaum beurteilen kann.
In der Praxis ist diese Funktion ein nettes Gimmick, aber kein Kaufargument. Wer regelmäßig Selbstporträts oder Gruppenfotos macht, nutzt ohnehin eher den Selbstauslöser der Kamera-App oder einen dedizierten Bluetooth-Fernauslöser. Die Umsetzung auf der Watch Fit 4 Pro funktioniert, mehr aber auch nicht. Im Vergleich zur Apple Watch, die sich nahtlos ins Apple-Ökosystem einfügt und auch Kamera-Vorschauen in besserer Qualität zeigt, wirkt Huaweis Lösung rudimentär.
Für eine Fitness-Smartwatch ist das Fehlen einer Kamera aber absolut vertretbar – niemand braucht am Handgelenk eine Linse, die im besten Fall VGA-Qualität liefert. Huawei trifft hier die richtige Entscheidung, indem sie Ressourcen auf relevantere Features wie GPS-Genauigkeit und Akkulaufzeit konzentrieren. Wer während des Sports fotografieren will, hat ohnehin das Smartphone dabei oder nutzt eine Action-Cam.
Akku im Alltag
Huawei verspricht bis zu 10 Tage Akkulaufzeit. In unserem Test mit aktiviertem Always-On-Display, täglichen 30-minütigen GPS-Trainings und durchschnittlicher Smartphone-Nutzung hielt die Watch Fit 4 Pro etwa sechs Tage durch. Das ist deutlich weniger als versprochen, aber immer noch mehr als die meisten Konkurrenten. Eine Apple Watch SE schafft gerade mal anderthalb Tage, eine Samsung Galaxy Watch 6 etwa zwei Tage mit ähnlicher Nutzung.
Ohne Always-On-Display und mit reduzierter Trainingsaktivität – nur zweimal pro Woche GPS-Nutzung – kamen wir auf acht Tage. Die beworbenen 10 Tage erreichten wir nur, wenn wir die Uhr im Grunde nur als passive Uhr mit gelegentlichem Schrittzählen nutzten, was den Sinn einer Smartwatch ad absurdum führt. Wer die Uhr tatsächlich als Fitness-Tracker nutzt, sollte realistisch mit einer Woche Laufzeit rechnen.
Das Laden von 20 auf 80 Prozent dauerte in unserem Test etwa 45 Minuten über das proprietäre Magnet-Ladekabel. Eine vollständige Ladung von 0 auf 100 Prozent benötigte knapp 70 Minuten. Drahtloses Laden fehlt komplett, was in dieser Preisklasse allerdings nicht ungewöhnlich ist. Die Garmin Venu 3 bietet ebenfalls kein kabelloses Laden, während die teurere Apple Watch darauf setzt.
Im Alltag bedeutet das: Einmal pro Woche über Nacht an die Ladestation, dann ist man wieder für die nächsten Tage versorgt. Für Reisen ist die proprietäre Ladestation nervig – vergisst man sie, gibt es keine Alternative. Ein Standard-USB-Anschluss wie bei älteren Fitness-Trackern wäre hier praktischer gewesen. Die Akkulaufzeit ist insgesamt ein klarer Vorteil gegenüber klassischen Smartwatches, erreicht aber nicht das Niveau von dedizierten Fitness-Uhren wie der Garmin Forerunner 265, die locker zwei Wochen durchhält.
Fazit und Kaufempfehlung
Die Huawei Watch Fit 4 Pro ist eine solide Fitness-Smartwatch für 200 Euro, die vor allem durch Akkulaufzeit und GPS-Genauigkeit punktet. Wer hauptsächlich Sport tracken will und auf ein umfangreiches App-Ökosystem verzichten kann, bekommt hier ein gutes Gesamtpaket. Das schlanke Design eignet sich sowohl für schmale Handgelenke als auch für den unauffälligen Einsatz im Büro.
Klar abraten müssen wir allen, die tief im Google- oder Apple-Ökosystem stecken und Wert auf Drittanbieter-Apps legen. Ohne Spotify-Offline-Wiedergabe, ohne umfangreiche Nachrichten-Funktionen und mit eingeschränkter Smartphone-Integration bleibt die Watch Fit 4 Pro hinter der Konkurrenz zurück. Auch iPhone-Nutzer sollten die Finger davon lassen – die Kompatibilität ist zwar gegeben, aber viele Funktionen laufen nur mit Android-Smartphones.
Bessere Alternativen in der Preisklasse: Die Garmin Venu 3 kostet etwa 250 Euro, bietet aber deutlich mehr Sport-Features und bessere App-Integration. Wer bereit ist, 100 Euro mehr auszugeben, bekommt mit der Apple Watch SE (ab 299 Euro) oder Samsung Galaxy Watch 6 (ab 280 Euro) ein deutlich runderes Gesamtpaket mit vollwertigem App-Store. Günstiger und mit ähnlichem Funktionsumfang ist die Xiaomi Smart Band 8 Pro für etwa 100 Euro – allerdings ohne AMOLED-Display in dieser Größe.
Unser Fazit: Für Fitness-Enthusiasten, die eine Woche Akkulaufzeit schätzen und ohnehin nur Basis-Features brauchen, ist die Watch Fit 4 Pro eine vernünftige Wahl. Wer mehr von seiner Smartwatch erwartet, greift besser zu etablierten Ökosystemen von Apple, Samsung oder Garmin. Der Preis von 200 Euro ist fair, aber nicht konkurrenzlos günstig.
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