Apple iPhone 16 Pro
Apple

Apple iPhone 16 Pro im Test 2024: Starke Kamera und schwacher Akku

7.6/10
⭐⭐⭐⭐⭐⭐⭐⭐
Design7.8/10
Leistung8.9/10
Akku6.5/10
Preis/Leistung7.2/10

Einleitung

Wir haben das iPhone 16 Pro drei Wochen lang im Alltag getestet und waren gespannt, ob Apple die Kritikpunkte des Vorgängers ausräumen konnte. Mit 1149 Euro liegt das Gerät preislich auf Augenhöhe mit dem Samsung Galaxy S24 Plus und dem Google Pixel 9 Pro, muss sich also an starker Android-Konkurrenz messen lassen. Das wichtigste Verkaufsargument laut Apple: der neue A18 Pro Chip, ein fünffach optisches Teleobjektiv und die Camera Control Taste, die das Fotografieren revolutionieren soll. Nach zwei Wochen intensiver Nutzung können wir sagen: Einiges davon funktioniert besser als erwartet, anderes erweist sich als Marketing-Geplänkel. Besonders überrascht hat uns die Kompaktheit des 6,3-Zoll-Displays, das trotz großer Bildschirmfläche handlicher liegt als das 15 Pro Max. Weniger begeistert waren wir von der Akkulaufzeit und der tatsächlichen Nützlichkeit der Camera Control im Alltag. Der Test zeigt: Das iPhone 16 Pro ist ein solides, sehr schnelles Smartphone, aber kein Quantensprung gegenüber dem Vorgänger. Für Nutzer eines iPhone 14 Pro oder älter lohnt der Umstieg durchaus, wer ein 15 Pro besitzt, kann getrost noch ein Jahr warten.

Design und Verarbeitung

Das iPhone 16 Pro liegt mit 199 Gramm angenehm in der Hand, fühlt sich aber nicht leichter an als das Vorgängermodell mit 187 Gramm. Apple hat den Titanrahmen vom 15 Pro übernommen, und nach drei Wochen zeigen sich an unserem Testgerät bereits erste Mikrokratzer an den Kanten. Das ist ärgerlich bei einem Gerät dieser Preisklasse. Das Samsung Galaxy S24 Plus mit Aluminiumrahmen wirkt nach gleicher Nutzungsdauer weniger mitgenommen. Die mattierte Glasrückseite hingegen überrascht positiv: Sie zieht deutlich weniger Fingerabdrücke an als beim iPhone 15 Pro und fühlt sich griffiger an.

Die neue Camera Control Taste auf der rechten Seite ist das auffälligste Design-Element. Sie sitzt genau dort, wo der Zeigefinger beim Fotografieren im Querformat liegt. In der Theorie clever, in der Praxis haben wir sie versehentlich häufiger ausgelöst als gewollt, etwa beim Griff aus der Hosentasche. Die haptische Rückmeldung ist präzise, aber die Taste ist etwas zu empfindlich kalibriert. Nach zwei Wochen hatten wir uns daran gewöhnt, die ersten Tage waren frustrierend.

Die Verarbeitungsqualität ist insgesamt auf hohem Niveau. Spaltmaße sind gleichmäßig, nichts knarzt oder gibt nach. Mit 8,25 Millimetern Dicke liegt das Gerät minimal dicker als das 15 Pro, was sich aber kaum spürbar auswirkt. Die Kameraerhebung ragt etwa 2 Millimeter heraus und lässt das Smartphone auf dem Tisch wackeln, wenn man darauf tippt. Mit Hülle liegt es stabiler, aber dann ist das kompakte Gefühl des nackten Geräts dahin. Bei 1149 Euro hätten wir uns ein flacheres Kameramodul gewünscht, wie es Xiaomi beim 14 Ultra gelöst hat. Die Farbvariante Titan Natur, die wir getestet haben, wirkt edel, zeigt aber Fingerabdrücke auf dem Rahmen deutlicher als die dunkleren Varianten.

Display

Das 6,3-Zoll OLED-Display mit ProMotion-Technologie liefert im Test eine solide Leistung, aber keine Offenbarung. In Innenräumen ist die Helligkeit mit subjektiv geschätzten 1000 Nits völlig ausreichend. In direktem Sonnenlicht haben wir das Gerät mehrfach bei Außentemperaturen um 8 Grad im März getestet. Die Lesbarkeit war gut, aber das Samsung Galaxy S24 Plus schneidet hier minimal besser ab. Bei sehr flachem Lichteinfall mussten wir das iPhone leicht neigen, um Inhalte klar zu erkennen.

Die variable Bildwiederholrate zwischen 1 und 120 Hertz funktioniert nahtlos. Beim Scrollen durch Instagram oder X merkt man den Unterschied zu 60-Hertz-Displays deutlich, besonders bei schnellen Wischgesten. Allerdings schaltet das Display nicht immer so schnell auf 120 Hertz hoch, wie wir es uns gewünscht hätten. Gelegentlich gab es eine Verzögerung von etwa einer halben Sekunde beim Öffnen von Apps, bevor die Animationen flüssig wurden.

Die Farbdarstellung ist typisch Apple: leicht wärmer als die Realität, aber angenehm fürs Auge. Im Vergleich zum kühleren Display des Pixel 9 Pro wirken Hauttöne natürlicher. Schwarz ist dank OLED perfekt, und bei dunklen Filmszenen gibt es kein Clouding an den Rändern. Die Reflexionsbeschichtung macht einen guten Job, ist aber nicht merklich besser als beim Vorgänger. Im abgedunkelten Raum regelt das Display auf minimal 2 Nits herunter, was für nächtliches Lesen angenehm ist, ohne die Augen zu blenden.

Leistung im Alltag

Der A18 Pro Chip ist zweifellos schnell, aber im Alltag merkt man den Unterschied zum A17 Pro kaum. Apps wie Instagram, WhatsApp oder die Kamera öffnen sich innerhalb von 0,3 bis 0,5 Sekunden. Das ist flott, aber das iPhone 15 Pro war nicht messbar langsamer. Wir haben das Gerät bewusst mit Multitasking gefordert: 15 offene Browser-Tabs, dazu Google Maps Navigation, parallel Spotify im Hintergrund und Fotos in der Galerie durchgeschaut. Kein Problem für das 16 Pro, alles lief flüssig ohne Ruckler.

Interessant wird es bei grafikintensiven Aufgaben. Wir haben 20 Minuten lang Genshin Impact bei höchsten Einstellungen gespielt. Nach etwa 12 Minuten wurde die obere Hälfte des Geräts spürbar warm, nicht heiß, aber deutlich über Körpertemperatur. Die Performance blieb stabil, aber das Titan erwärmte sich schneller als das Aluminium des Galaxy S24 Plus unter gleicher Last. Bei alltäglicher Nutzung wie Social Media, E-Mails und Videoschauen blieb das Gerät angenehm kühl.

Die 8 GB RAM reichen für iOS 18 vollkommen aus. Apps blieben über Stunden im Speicher, selbst nach einem Tag ohne Neustart mussten wir selten eine App neu laden. Hier spielt Apple seine Software-Optimierung aus. Ein 4K-Video mit 10-bit Dolby Vision zu schneiden und zu exportieren dauerte in iMovie etwa 2 Minuten für ein 3-minütiges Video. Das ist schnell, aber wirklich relevant ist diese Performance nur für Content Creator.

Was uns aufgefallen ist: Face ID funktioniert auch bei schlechten Lichtverhältnissen zuverlässig, aber nicht schneller als beim Vorgänger. Auch die Gestensteuerung mit Dynamic Island ist keine Neuerung, funktioniert aber weiterhin gut. Die beworbene KI-Integration mit Apple Intelligence war in unserem Test noch nicht verfügbar, da sie für Deutschland erst später kommt. Ein Kritikpunkt: Bei dieser Preisklasse hätten wir USB 3.2 statt USB 3.0 Geschwindigkeit erwartet. Große Dateien vom Mac aufs iPhone zu ziehen dauerte spürbar länger als bei Android-Flaggschiffen mit schnelleren Standards.

Kamera im Alltag

Das fünffache Teleobjektiv ist die größte Kamera-Neuerung, und hier liefert Apple tatsächlich ab. Wir haben mehrere Fotos bei einem Stadtspaziergang aus etwa 50 Metern Entfernung geschossen: Straßenschilder, Architekturdetails, Tauben auf einem Dach. Die Schärfe und Detailgenauigkeit sind beeindruckend, besser als beim 3-fach Zoom des iPhone 15 Pro. Allerdings funktioniert das nur bei gutem Licht. In der Dämmerung oder bei bewölktem Himmel rauschen die Bilder deutlich, und die Farben wirken flach.

Beim Abendbrot im Restaurant haben wir die Hauptkamera getestet, typische Situation: warmgelbes Kunstlicht, mittelmäßige Helligkeit. Die Fotos waren scharf und detailreich, aber Apple übertreibt es mit der Nachbearbeitung. Speisen sahen satter aus als in der Realität, fast schon Instagram-reif. Das mag manchen gefallen, uns war es zu künstlich. Das Pixel 9 Pro liefert hier natürlichere Farben. Bei sehr schlechtem Licht, etwa in einer dunklen Bar, schaltet der Nachtmodus automatisch ein. Die Ergebnisse sind nutzbar, aber bei genauem Hinsehen sieht man Matschigkeit in dunklen Bereichen.

Selfies in direktem Sonnenlicht sind eine Stärke. Die Frontkamera belichtet Gesichter gut aus, ohne den Hintergrund zu überstrahlen. Allerdings glättet die Standardeinstellung Hauttöne zu stark. Wir haben das in den Einstellungen angepasst, aber dass dies nicht standardmäßig natürlicher ist, ärgert uns. Videos in 4K mit 60fps sind butterweich, die Stabilisierung funktioniert hervorragend auch beim Gehen. Wir haben einen 10-minütigen Spaziergang durch die Stadt gefilmt, und das Ergebnis war ohne zusätzlichen Gimbal verwendbar. Allerdings frisst 4K ordentlich Speicherplatz: In 10 Minuten waren etwa 5 GB voll.

Die Camera Control Taste haben wir intensiv getestet. In der Theorie toll: Ein halber Druck öffnet die Kamera, ein Wischen ändert den Zoom, ein Klick löst aus. In der Praxis war es die ersten Tage fummeliger als der Auslöser auf dem Display. Wir haben mehrfach versehentlich gezoomt statt ausgelöst. Nach zwei Wochen wurde es intuitiver, aber revolutionär ist anders. Die Taste ist ein nettes Gimmick, aber kein Grund für den Kauf. Die Ultraweitwinkel-Kamera liefert solide Ergebnisse, aber hier hat sich zum 15 Pro nichts Nennenswertes geändert. Bei Gegenlicht neigt sie zu Blendenflecken.

Akku im Alltag

Hier wird es ernüchternd. Wir haben das iPhone 16 Pro an einem typischen Arbeitstag getestet: 7 Uhr vom Ladegerät, dann etwa 90 Minuten Pendeln mit Podcast und E-Mails, zwischendurch Social Media, mittags 30 Minuten YouTube, nachmittags eine Stunde Google Maps Navigation, abends nochmal eine Stunde Netflix. Gegen 21 Uhr zeigt die Anzeige 18 Prozent. Das reicht knapp bis 22 Uhr, aber mit Magengrimmen. Ein Arbeitstag ist machbar, aber nicht mit Komfortzone. Das Samsung Galaxy S24 Plus schafft unter gleicher Nutzung etwa 25 Prozent mehr Restakku.

Bei intensiver Nutzung, etwa einem Tag mit viel Fotografieren und Videos, war gegen 19 Uhr Schluss. Wir mussten nachladen. Das iPhone 15 Pro war hier minimal besser, aber der Unterschied ist gering. Was uns ärgert: Apple bewirbt die Energieeffizienz des A18 Pro, aber im Alltag spüren wir davon nichts. Die Always-On-Display-Funktion zieht merklich Akku. Mit deaktiviertem AOD hielten wir etwa 10 Prozent länger durch, aber dann fehlt eine der ProMotion-Stärken.

Das Laden mit dem mitgelieferten USB-C-Kabel und einem 20-Watt-Netzteil von Drittanbietern dauerte von 15 auf 80 Prozent etwa 45 Minuten. Das ist okay, aber nicht schnell. Samsung lädt mit 45 Watt in der Hälfte der Zeit. Drahtloses Laden mit einem Qi2-Ladegerät ist praktisch für den Schreibtisch, aber mit etwa 90 Minuten von 20 auf 80 Prozent eher eine Komfortfunktion als eine schnelle Lösung. Für unterwegs ist kabelgebundenes Laden weiterhin Pflicht. Apple gibt keine offizielle Akkukapazität an, aber die Laufzeit enttäuscht bei einem Gerät dieser Preisklasse und Größe.

Fazit und Kaufempfehlung

Das iPhone 16 Pro ist ein sehr gutes Smartphone mit klaren Stärken und spürbaren Schwächen. Die Performance ist exzellent, das Display hochwertig, und das fünffache Teleobjektiv macht wirklich einen Unterschied. Wer im Apple-Ökosystem unterwegs ist und ein kompaktes Pro-Modell sucht, bekommt ein zuverlässiges Gerät. Allerdings rechtfertigt die Leistung den Preis von 1149 Euro nur bedingt. Die Akkulaufzeit ist für ein Flaggschiff 2024 zu schwach, und die Camera Control Taste ist eher Spielerei als echter Mehrwert.

Für wen lohnt sich der Kauf? Nutzer eines iPhone 13 Pro oder älter bekommen ein spürbares Upgrade bei Kamera und Performance. Auch wer von Android wechseln möchte und Wert auf lange Software-Updates legt, ist hier gut aufgehoben. Apple verspricht sechs Jahre Updates, das schafft aktuell kein Android-Hersteller verlässlich. Wer allerdings ein iPhone 15 Pro besitzt, sollte nicht upgraden. Die Unterschiede sind zu gering, um 1149 Euro zu rechtfertigen.

Bessere Alternativen in der Preisklasse? Das Samsung Galaxy S24 Plus kostet ähnlich viel, bietet einen besseren Akku, schnelleres Laden und ein größeres Display. Das Google Pixel 9 Pro liegt preislich etwas darunter, hat die bessere Kamera-Software und intelligentere KI-Features. Innerhalb des Apple-Universums ist das 16 Pro die richtige Wahl für alle, die das Max-Modell zu klobig finden. Wer mit 60 Hertz und einer einfacheren Kamera leben kann, spart mit dem iPhone 16 Standard etwa 350 Euro und bekommt trotzdem ein sehr gutes Smartphone. Unser Urteil: Solide, aber kein Pflichtkauf.

Technische Daten

Prozessor Apple A18 Pro (6-Core CPU, 6-Core GPU)
Frontkamera 12 MP TrueDepth
Betriebssystem iOS 18
Ram 8 GB
Akku bis zu 27 h Videoabspieldauer
Laden 25W kabelgebunden, 25W MagSafe, 15W Qi2
Display 6,3" Super Retina XDR OLED, 120 Hz ProMotion, 2622×1206, 2000 nits
Material Grade 5 Titan (Rahmen) / Texturglas
Speicher 128 GB / 256 GB / 512 GB / 1 TB
Abmessungen 149,6 × 71,5 × 8,25 mm, 199 g
Hauptkamera 48 MP Fusion, f/1.78 | 48 MP Ultra-Weitwinkel | 12 MP 5× Tele

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