Apple iPad Pro M4
Apple

Apple iPad Pro M4 im Test 2026: Beeindruckende Technik, die kaum jemand wirklich braucht

7.7/10
⭐⭐⭐⭐⭐⭐⭐⭐
Design8.2/10
Leistung8.9/10
Akku7.3/10
Preis/Leistung6.5/10

Einleitung

Wir haben das iPad Pro M4 drei Wochen lang intensiv getestet und dabei versucht herauszufinden, ob Apple mit diesem Gerät tatsächlich die Grenzen dessen verschiebt, was ein Tablet leisten kann – oder ob wir es hier mit einem überdimensionierten Konsumgerät zu tun haben, das sein Potenzial im Alltag nicht ausschöpfen kann. Der Preis von 1099 Euro für die Basisversion ist ambitioniert und bewegt sich bereits im Bereich vollwertiger Notebooks. Hinzu kommen mindestens 349 Euro für das Magic Keyboard und 149 Euro für den Apple Pencil Pro, wenn man die Produktivitäts-Vision von Apple ernst nehmen möchte. Damit landen wir bei über 1600 Euro – ein MacBook Air bekommt man für weniger Geld.

Was uns beim Auspacken sofort auffiel: Die extreme Dünnheit von nur 5,1 Millimeter macht das Gerät fast schon fragil. Apple bewirbt dies als technische Meisterleistung, im Alltag fragten wir uns allerdings mehrfach, ob hier nicht Stabilität für Designrekorde geopfert wurde. Das OLED-Display verspricht eine neue Dimension der Bildqualität, und der M4-Chip soll mehr Leistung bieten als die meisten Laptops. Nach drei Wochen können wir sagen: Technisch ist das iPad Pro M4 beeindruckend, aber die Frage nach der Sinnhaftigkeit dieser Leistung bleibt bestehen. Für die meisten Nutzer ist dieses Tablet überdimensioniert.

Design und Verarbeitung

Mit 5,1 Millimetern Dicke ist das iPad Pro M4 tatsächlich das dünnste Gerät, das wir je in den Händen gehalten haben. Beim ersten Kontakt überwiegt jedoch nicht die Freude über das schlanke Design, sondern eine gewisse Sorge um die Stabilität. Das Aluminiumgehäuse fühlt sich zwar hochwertig an, wirkt aber durch die extreme Dünnheit weniger robust als das iPad Pro M2 von 2022, das wir zum Vergleich herangezogen haben. Bei leichtem Druck auf die Rückseite gibt das Display minimal nach – nichts Dramatisches, aber spürbar. Ohne Hülle würden wir das Gerät nicht im Rucksack transportieren wollen.

Das Gewicht von 579 Gramm in der 13-Zoll-Version liegt im erwartbaren Bereich, fühlt sich aber durch die Dünnheit subjektiv leichter an als die nackten Zahlen vermuten lassen. Im direkten Vergleich mit dem Samsung Galaxy Tab S9 Ultra, das 737 Gramm wiegt, merkt man den Unterschied deutlich. Beim einhändigen Halten über längere Zeit ermüdet die Hand dennoch – hier hilft auch das geringere Gewicht nicht grundlegend. Die Verarbeitung ist auf Apple-typischem Niveau: Spaltmaße sind minimal, alle Übergänge präzise gefertigt. Die Lautsprecher sitzen an den Seiten und sind je nach Ausrichtung unterschiedlich gut zu hören.

Was uns negativ auffiel: Die Anschlüsse beschränken sich auf einen einzigen USB-C-Port mit Thunderbolt 4. Wer gleichzeitig laden und externe Geräte anschließen möchte, braucht zwingend einen Hub. Apple hat beim Vorgängermodell bereits auf den Klinkenanschluss verzichtet, aber ein zweiter USB-C-Port wäre bei diesem Preis angemessen gewesen. Die magnetische Verbindung zum Magic Keyboard ist stark, aber die Kontakte an der Rückseite ziehen Staub und Schmutz an. Nach zwei Wochen mussten wir diese bereits mehrfach reinigen, damit die Verbindung zuverlässig funktioniert.

Das Kamerasystem sitzt nun an der langen Seite – eine sinnvolle Entscheidung für Videocalls im Querformat. Die Kamera steht etwa einen Millimeter hervor, was das Tablet auf dem Tisch leicht wackeln lässt. Mit Hülle ist dies kein Problem mehr, ohne Hülle aber nervig. Die Verarbeitung rechtfertigt den Preis insgesamt, die extreme Dünnheit ist unserer Meinung nach aber eher ein Marketing-Feature als ein echter Mehrwert im Alltag.

Display

Das Ultra Retina XDR OLED-Display ist zweifellos die größte technische Neuerung beim iPad Pro M4. Apple verwendet hier erstmals eine Tandem-OLED-Technologie mit zwei übereinander liegenden OLED-Schichten, was für außergewöhnliche Helligkeit sorgt. In der Praxis erreicht das Display tatsächlich Spitzenwerte von über 1600 Nits bei HDR-Inhalten – das ist heller als die meisten OLED-Fernseher. Im direkten Sonnenlicht auf dem Balkon konnten wir selbst bei 14 Uhr mittags noch problemlos arbeiten. Das Samsung Galaxy Tab S9 Ultra ist hier deutlich im Nachteil und spiegelt zudem stärker.

Die Farbdarstellung ist exzellent, wobei wir hier keine sichtbaren Unterschiede zum iPad Pro M2 mit Mini-LED feststellen konnten – außer beim Schwarzwert. OLED zeigt echtes Schwarz, was besonders beim Filmeschauen im abgedunkelten Raum auffällt. Beim Scrollen durch dunkle Webseiten oder in Apps mit Dark Mode wirkt der Kontrast deutlich angenehmer als bei LCD-Tablets. Die 120 Hz ProMotion-Technologie sorgt für flüssiges Scrollen, allerdings ist dies bei Apple-Geräten seit Jahren Standard und keine Besonderheit mehr des Pro-Modells.

Ein Problem, das wir im Test feststellten: Bei sehr dunklen Inhalten und niedrigen Helligkeitseinstellungen zeigt das OLED-Display minimales Banding, also leichte Streifen in Grauflächen. Dies ist bei normaler Nutzung kaum sichtbar, fällt aber beim abendlichen Lesen im Bett auf. Zudem beobachteten wir bei längerem Betrachten statischer Inhalte eine leichte Farbverschiebung nach etwa 30 Minuten – möglicherweise ein Schutzmechanismus gegen Einbrennen. Apple kommuniziert dies nicht offen, wir konnten es aber reproduzieren.

Die Entspiegelung funktioniert gut, ist aber nicht perfekt. Bei direkter Lichteinstrahlung sehen wir Reflexionen, die sich in hellen Umgebungen störend bemerkbar machen. Das matte Display-Finish, das Apple optional anbietet, haben wir nicht getestet. Insgesamt liefert das Display eine hervorragende Qualität ab, die den Aufpreis gegenüber günstigeren iPads rechtfertigt – zumindest für Nutzer, die viel medial konsumieren oder professionell mit Bildern arbeiten.

Leistung im Alltag

Der M4-Chip ist eine Überraschung – nicht weil er schnell ist, das war zu erwarten, sondern weil wir im normalen Alltag kaum Situationen fanden, in denen diese Leistung tatsächlich nötig ist. Instagram öffnet sich in unter einer Sekunde, Safari lädt komplexe Webseiten ohne Verzögerung, zwischen Apps wechseln wir praktisch ohne Wartezeit. Das macht das iPad Air M2, das knapp 400 Euro günstiger ist, aber genauso. Der Unterschied zeigt sich erst bei spezifischen Anwendungen: Wir haben in DaVinci Resolve 4K-Videos mit mehreren Spuren geschnitten, und hier arbeitet das iPad Pro M4 tatsächlich flüssiger als die meisten Windows-Notebooks dieser Preisklasse.

In Affinity Photo ließen sich RAW-Dateien unserer 45-Megapixel-Kamera ohne Verzögerung bearbeiten, Filter wurden in Echtzeit angewendet. Bei komplexen 3D-Modellen in Nomad Sculpt mit mehreren Millionen Polygonen kam das System aber an seine Grenzen – nicht wegen der Rechenleistung, sondern wegen der Thermal-Limits. Nach etwa 15 Minuten unter Volllast drosselt der M4-Chip spürbar, das Gehäuse wird im oberen Bereich handwarm. Nicht unangenehm heiß, aber deutlich wärmer als im Idle-Betrieb. Ein MacBook Pro mit aktiver Kühlung bleibt hier länger auf maximaler Leistung.

Im Multitasking mit drei parallel geöffneten Apps – Safari, Notes und Slack – lief alles flüssig, allerdings ist Split View auf iPadOS nach wie vor umständlich zu bedienen. Apps lassen sich nicht frei positionieren wie unter macOS oder Windows, sondern nur in vorgegebenen Layouts anordnen. Nach drei Wochen haben wir uns daran gewöhnt, komfortabel ist es nicht. Die Dateiverwaltung in iPadOS bleibt eine Schwachstelle: Ohne externe Apps ist das System für ernsthafte Produktivarbeit zu eingeschränkt.

Gaming funktioniert hervorragend, wobei auch hier die thermische Drosselung nach längerer Spielzeit einsetzt. Resident Evil Village läuft mit hohen Grafikeinstellungen flüssig, nach etwa 20 Minuten sinkt die Framerate aber merklich. Für Casual Games wie Diablo Immortal oder Genshin Impact ist die Leistung mehr als ausreichend. Die vier Lautsprecher liefern überraschend kräftigen Sound mit nachvollziehbaren Bässen – für ein Tablet beeindruckend, an ein gutes Notebook kommt der Klang aber nicht heran.

Unser Fazit zur Leistung: Der M4 ist extrem schnell, aber iPadOS schöpft das Potenzial nicht aus. Wer wirklich professionelle Workflows benötigt, greift besser zum MacBook. Für 90 Prozent der Tablet-Nutzer reicht ein iPad Air vollkommen.

Stift & Kreativ-Einsatz

Den Apple Pencil Pro haben wir separat für 149 Euro erworben – eine Investition, die für kreative Nutzer fast schon Pflicht ist. Die Integration in iPadOS ist nahtlos: Magneten halten den Stift sicher an der Seite des iPads, wo er gleichzeitig induktiv geladen wird. Die Latenz beim Schreiben und Zeichnen ist minimal, wir schätzen sie auf unter 10 Millisekunden. Beim schnellen Skizzieren in Procreate oder Notes fühlt sich der Stift fast wie ein echter Bleistift an – fast, denn das leichte Gleiten über Glas bleibt spürbar. Eine matte Displayschutzfolie schafft hier mehr Widerstand, dämpft aber die Brillanz des OLED-Displays.

Die Drucksensitivität funktioniert präzise, wobei wir in Procreate alle 4096 Druckstufen auch tatsächlich nutzen konnten. Für digitale Illustrationen ist das iPad Pro mit dem Pencil Pro ein hervorragendes Werkzeug. Die neue Barrel-Roll-Funktion, die die Rotation des Stifts erkennt, ist für Kalligraphie und bestimmte Pinselarten nützlich, im Alltag haben wir sie aber selten bewusst eingesetzt. Die Squeeze-Geste zum Aufrufen von Tool-Paletten funktioniert zuverlässig, fühlt sich aber zunächst ungewohnt an. Nach einer Woche wurde es zur Routine.

In der Praxis haben wir das iPad Pro für Notizen in Meetings, zum Annotieren von PDFs und für Skizzen verwendet. Hier zeigt sich die Stärke des Systems: Die Hemmschwelle, schnell etwas aufzuschreiben, ist niedriger als beim Laptop. Das iPad ist schneller zur Hand, der Stift sofort griffbereit. Für längere Texte griffen wir dann aber doch zum Magic Keyboard – Handschrifterkennung ist gut, ersetzt aber keine physische Tastatur. Die Kombination aus Stift und Keyboard macht das iPad Pro vielseitig, aber auch teuer: Mit beiden Zubehörteilen landen wir bei über 1600 Euro.

Für professionelle Illustratoren und Designer, die unterwegs arbeiten, ist das iPad Pro M4 eine ernst zu nehmende Workstation. Wir haben eine komplette Comic-Seite in Procreate erstellt und als hochauflösendes PDF exportiert – der Workflow funktionierte reibungslos. Einschränkungen zeigen sich bei der Dateiverwaltung: Der Export in Cloud-Dienste ist umständlich, der Austausch mit Desktop-Programmen nicht immer nahtlos. Adobe Fresco und Affinity Designer laufen ausgezeichnet, die vollwertigen Desktop-Versionen von Photoshop oder Illustrator gibt es aber nicht.

Für Gelegenheitsnutzer, die nur ab und zu etwas notieren oder skizzieren wollen, ist das iPad Pro mit Pencil überdimensioniert. Ein iPad Air mit Apple Pencil 2 kostet 800 Euro weniger und bietet 80 Prozent der Funktionalität. Die Frage bleibt: Wer nutzt ein 1600-Euro-Tablet wirklich so intensiv, dass sich die Investition lohnt? Wir empfehlen: Wer nicht regelmäßig und professionell kreativ arbeitet, sollte zum günstigeren Modell greifen.

Akku im Alltag

Apple gibt keine konkrete Akkulaufzeit in Stunden an, verspricht aber bis zu 10 Stunden Surfen im Web oder Videowiedergabe. In unserem Test mit gemischter Nutzung – E-Mails, Safari, YouTube, gelegentlich Procreate – hielt das iPad Pro M4 von 8 Uhr morgens bis etwa 20 Uhr durch, bevor wir bei rund 15 Prozent ans Laden dachten. Das ist solide, aber nicht außergewöhnlich. Das Samsung Galaxy Tab S9 Ultra schaffte unter ähnlichen Bedingungen etwa eine Stunde weniger, das iPad Air M2 hingegen lief fast identisch lange.

Bei intensiverer Nutzung, etwa beim Schneiden von Videos in LumaFusion oder beim Gaming, sank die Akkulaufzeit deutlich. Nach zwei Stunden Resident Evil Village war der Akku von 100 auf 45 Prozent gefallen. Für einen normalen Arbeitstag mit Textverarbeitung, Notizen und Webbrowsing reicht der Akku problemlos, für intensive Kreativarbeit sollte man das Ladekabel dabei haben. Das dünnere Gehäuse scheint hier keinen Nachteil zu bringen – offenbar hat Apple die Akku-Dichte optimiert.

Das Laden dauert mit dem mitgelieferten 20-Watt-Netzteil überraschend lange. Von 20 auf 80 Prozent vergingen in unserem Test knapp 100 Minuten – fast zwei Stunden. Ein 30-Watt-Netzteil, das wir zusätzlich testeten, verkürzte die Ladezeit auf etwa 75 Minuten. Apple hätte hier ein stärkeres Netzteil beilegen können, bei diesem Preis wäre das angemessen gewesen. Drahtloses Laden bietet das iPad Pro nicht – eine Funktion, die bei Android-Tablets dieser Klasse mittlerweile Standard ist.

Im Standby-Betrieb verliert das iPad Pro etwa 2 bis 3 Prozent Akku pro Tag, was im normalen Bereich liegt. Wer das Tablet nur gelegentlich nutzt, kann es mehrere Tage ohne Laden verwenden. Die Akkulaufzeit ist insgesamt in Ordnung, aber kein Highlight. Für ein Gerät dieser Preisklasse hätten wir uns schnelleres Laden und vielleicht sogar drahtlose Ladeoptionen gewünscht.

Fazit und Kaufempfehlung

Das iPad Pro M4 ist technisch eines der beeindruckendsten Tablets, das wir je getestet haben. Das OLED-Display ist hervorragend, die Leistung übertrifft die meisten Notebooks, und die Verarbeitung ist auf hohem Niveau. Trotzdem können wir das Gerät nur einer sehr kleinen Zielgruppe uneingeschränkt empfehlen: Professionelle Kreative, die unterwegs mit dem Apple Pencil arbeiten und die Rechenleistung tatsächlich ausschöpfen, bekommen hier ein exzellentes Werkzeug. Für alle anderen ist das iPad Pro M4 überdimensioniert und zu teuer.

Wer hauptsächlich im Web surft, Videos schaut, E-Mails schreibt und gelegentlich etwas notiert, ist mit dem iPad Air M2 für 700 Euro besser bedient. Der Leistungsunterschied ist im Alltag nicht spürbar, das Display ist zwar nicht OLED, aber immer noch sehr gut. Selbst für Gelegenheits-Kreative reicht das iPad Air in den meisten Fällen vollkommen aus. Die 400 Euro Preisunterschied kann man in besseres Zubehör oder andere Geräte investieren.

Die größte Schwäche des iPad Pro M4 ist nicht die Hardware, sondern iPadOS. Das Betriebssystem schränkt die Möglichkeiten dieses leistungsstarken Geräts unnötig ein. Die Dateiverwaltung ist umständlich, Multitasking funktioniert nicht so intuitiv wie unter macOS oder Windows, und viele professionelle Desktop-Programme fehlen. Für 1600 Euro mit Tastatur und Stift bekommt man bereits ein MacBook Air M3, das in puncto Produktivität deutlich vielseitiger ist.

Unser Urteil: Das iPad Pro M4 ist ein Nischenprodukt für Profis, die genau wissen, dass sie es brauchen. Wer sich diese Frage stellt, braucht es wahrscheinlich nicht. Als Laptop-Ersatz funktioniert es nur bedingt, als reines Medien-Konsumgerät ist es zu teuer. Die beste Alternative für die meisten Nutzer bleibt das iPad Air M2 – oder, wer wirklich produktiv arbeiten will, ein MacBook. Das iPad Pro M4 ist technisch beeindruckend, aber für die wenigsten Nutzer die richtige Wahl.

Technische Daten

Prozessor Apple M4 (9-Core CPU, 10-Core GPU, 16-Core Neural Engine)
Betriebssystem iPadOS 17
Akku bis zu 10 h
Kamera 12 MP Rückkamera, 12 MP TrueDepth mit Center Stage
Display 11" / 13" Ultra Retina XDR OLED (Tandem OLED), 1600 nits, ProMotion 120 Hz
Speicher 256 GB / 512 GB / 1 TB / 2 TB SSD
Zubehoer Apple Pencil Pro, Magic Keyboard Foliokompatibel
Anschluesse USB-C / Thunderbolt 4 (40 Gbit/s)
Konnektivitaet WiFi 6E + Bluetooth 5.3, optionales 5G
Arbeitsspeicher 8 GB / 16 GB Unified Memory

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