iPad Air M3 (2025)
Apple

Apple iPad Air M3 (2025) im Test 2026: Zu viel Leistung für zu wenig Mehrwert

7.4/10
⭐⭐⭐⭐⭐⭐⭐
Design7.5/10
Leistung8.8/10
Akku7.5/10
Preis/Leistung6.5/10

Einleitung

Wir haben das iPad Air M3 über drei Wochen intensiv getestet und uns vor allem die Frage gestellt: Braucht wirklich jemand diese Leistung in einem Mittelklasse-Tablet? Apple positioniert das Gerät zwischen dem Basis-iPad und den Pro-Modellen, verlangt aber stolze 799 Euro. Dafür gibt es den M3-Chip, der eigentlich aus MacBooks bekannt ist, Unterstützung für den Apple Pencil Pro und das Magic Keyboard. Im Vorfeld waren wir skeptisch, ob sich diese Kombination tatsächlich rechtfertigt oder ob Apple hier einfach einen übermotorisierten Prozessor in ein Gehäuse steckt, dessen Display und Features nicht mithalten können.

Was uns überrascht hat: Die Zielgruppe ist tatsächlich vorhanden, aber viel kleiner als Apple es vermuten lässt. Das iPad Air M3 ist kein Laptop-Ersatz, obwohl Apple das gerne suggeriert. Es ist auch kein Multimedia-Tablet für Netflix und Casual Gaming, dafür ist es zu teuer. Was es ist: Ein Werkzeug für Kreative, die unterwegs skizzieren, Fotos bearbeiten oder Videos schneiden, aber nicht das Budget oder den Bedarf für ein iPad Pro haben. Für alle anderen bleibt die Frage: Reicht nicht auch das normale iPad für 450 Euro?

Design und Verarbeitung

Apple setzt beim iPad Air M3 auf das bekannte Aluminium-Unibody-Design, das wir schon vom Vorgänger kennen. Mit 461 Gramm liegt es angenehm in der Hand, fühlt sich aber nach drei Stunden E-Book-Lesen definitiv schwerer an als man möchte. Zum Vergleich: Das Samsung Galaxy Tab S9 bringt 498 Gramm auf die Waage, das günstigere iPad 10 nur 477 Gramm. Der Unterschied zum iPad Pro ist minimal spürbar, aber vorhanden.

Die Verarbeitung ist Apple-typisch präzise. Keine Spaltmaße, keine wackeligen Tasten, nichts knarzt. Das flache Design mit den geraden Kanten sieht modern aus, liegt aber nicht so ergonomisch in der Hand wie die leicht abgerundeten Rücken älterer iPad-Generationen. Nach längeren Sessions ohne Case haben wir die Kanten als unangenehm empfunden, sie drücken sich regelrecht in die Handflächen. Ein Case ist also Pflicht, was das Gewicht dann wieder erhöht.

Die Farbauswahl beschränkt sich auf Space Grau, Polarstern, Violett und Blau. Wir hatten die blaue Variante im Test, die in Wahrheit eher ein gedämpftes Grau-Blau ist. Nicht spektakulär, aber dezent genug für den Büroalltag. Was uns gefehlt hat: Ein mattes Finish auf der Rückseite. Das glänzende Aluminium zieht Fingerabdrücke magisch an und wird auf dem Schreibtisch schnell zum Schmierfilm-Display.

Der USB-C-Anschluss sitzt an der richtigen Stelle, die Lautstärketasten ebenfalls. Nervend: Es gibt weiterhin nur einen einzigen USB-C-Port. Wer einen externen Monitor anschließen möchte und gleichzeitig laden muss, braucht einen Hub. Bei einem 799-Euro-Gerät darf man hier mehr erwarten. Das iPad Pro hat dieses Problem nicht. Die Touch-ID im Power-Button funktioniert zuverlässig, ist aber nicht so komfortabel wie Face ID im Pro-Modell. Mehrmals täglich entsperren wir das Tablet im falschen Winkel und müssen den Daumen neu positionieren.

Display

Das 11-Zoll-Display löst mit 2360 x 1640 Pixeln auf und nutzt Apples Liquid Retina Technologie. In geschlossenen Räumen liefert es ein scharfes, farblich ausgewogenes Bild. Text ist gestochen scharf, Fotos wirken natürlich. Die maximale Helligkeit liegt laut Apple bei 500 Nits. Im direkten Sonnenlicht auf der Terrasse reicht das gerade so aus, um den Bildschirminhalt zu erkennen, komfortabel ist anders. Das iPad Pro mit seinem XDR-Display ist hier deutlich überlegen, kostet aber auch entsprechend mehr.

Was uns wirklich gestört hat: Die spiegelnde Oberfläche. Bei Tageslicht im Büro spiegelt sich jede Lampe, jedes Fenster. Wir haben uns mehrmals dabei erwischt, das Tablet in einem bestimmten Winkel halten zu müssen, um die Reflexionen zu minimieren. Eine matte Displayschutzfolie schafft hier Abhilfe, kostet aber zusätzlich und verschlechtert das Schreibgefühl mit dem Apple Pencil leicht.

Die fehlende ProMotion-Technologie fällt im Alltag kaum auf, beim Scrollen durch Social-Media-Feeds ist der Unterschied zum iPad Pro aber sichtbar. 60 Hz statt 120 Hz, das merkt man vor allem beim schnellen Scrollen durch lange Webseiten oder beim Gaming. Für die meisten Nutzer wird das kein Dealbreaker sein, wer aber einmal ein 120-Hz-Display gewohnt ist, empfindet die 60 Hz als leicht ruckelig.

Die Farbdarstellung ist gut kalibriert, P3-Farbraum wird unterstützt. Für die Fotobearbeitung unterwegs reicht das vollkommen aus. Videos schauen wir gerne auf diesem Display, auch wenn die Schwarzwerte nicht an OLED heranreichen. Im dunklen Zimmer auf niedrigster Helligkeitsstufe ist das Display angenehm für die Augen, es flackert nicht sichtbar.

Leistung im Alltag

Der M3-Chip ist für ein iPad Air eigentlich überdimensioniert. Instagram öffnet sich in unter einer Sekunde, Safari mit acht offenen Tabs läuft ohne jegliches Stottern, selbst aufwendige Webseiten mit vielen Animationen scrollen flüssig. Wir haben versucht, das iPad an seine Grenzen zu bringen: 4K-Videoschnitt in LumaFusion mit mehreren Clips, Effekten und Farbkorrekturen? Kein Problem, Rendering läuft geschmeidig. Procreate mit komplexen Ebenen und hochauflösenden Leinwänden? Funktioniert ohne Verzögerung.

Das Problem: Die wenigsten Nutzer werden diese Leistung jemals abrufen. Für E-Mails, Surfen, Netflix und Apple Arcade-Games ist der M3 völlig übertrieben. Ein älterer A15- oder M1-Chip würde hier genauso gut funktionieren und das Tablet günstiger machen. Apple verkauft hier Leistung, die für die Mehrheit der Käufer reine Zukunftssicherung ist.

Unter Last wird das iPad spürbar warm, aber nicht unangenehm heiß. Nach 30 Minuten 4K-Videoschnitt messen wir auf der Rückseite Temperaturen, die man noch gut in der Hand halten kann. Throttling konnten wir im Test nicht feststellen, die Performance bleibt auch bei längeren Sessions konstant. Das passive Kühlsystem funktioniert also gut, was vermutlich auch daran liegt, dass iPadOS viele Prozesse im Hintergrund aggressiv begrenzt.

Multitasking mit Split View funktioniert technisch einwandfrei, scheitert aber oft an der App-Unterstützung. Nicht alle Apps unterstützen Split View vernünftig, manche zeigen dann nur eine Smartphone-Ansicht an. Apple müsste hier die Entwickler stärker in die Pflicht nehmen. Praktisch nutzen wir Split View hauptsächlich für Notizen neben Safari oder Slack neben E-Mail. Mehr als zwei Apps gleichzeitig sind auf dem 11-Zoll-Display ohnehin kaum sinnvoll nutzbar.

Der Arbeitsspeicher ist mit 8 GB ausreichend dimensioniert. Apps werden nicht aus dem RAM geschmissen, wenn man zwischen mehreren wechselt. Nur bei wirklich extremer Nutzung mit vielen offenen Tabs und mehreren rechenintensiven Apps mussten wir ein Neuladen feststellen. Das kommt im normalen Alltag vielleicht einmal pro Woche vor.

Stift & Kreativ-Einsatz

Der Apple Pencil Pro, den wir separat für 149 Euro erwerben mussten, ist das eigentliche Highlight dieses iPads. Die Latenz ist minimal, das Schreibgefühl kommt echtem Papier erstaunlich nahe. Wir haben mehrere Stunden in Notability und GoodNotes verbracht, handschriftliche Notizen angefertigt und PDFs annotiert. Die Druckerkennung funktioniert präzise, von feinen Linien bis zu breiten Strichen reagiert der Stift exakt wie erwartet.

Die neue Squeeze-Funktion des Pencil Pro, mit der man durch Zusammendrücken Werkzeugpaletten öffnet, ist praktischer als gedacht. Nach einer kurzen Eingewöhnungsphase haben wir sie intuitiv genutzt, ohne den Stift abzusetzen. Die Barrel-Roll-Funktion, mit der man durch Drehen des Stifts verschiedene Werkzeuge aktivieren kann, funktioniert vor allem in Zeichen-Apps wie Procreate gut. Ob man diese Features wirklich braucht? Nein. Sind sie angenehm, wenn man sie hat? Ja.

Die größte Schwäche bleibt iPadOS selbst. Apples Tablet-Betriebssystem tut weiterhin so, als wäre es ein großes iPhone. Das Dateisystem ist eingeschränkt, professionelle Workflows mit externen Festplatten sind umständlich, und viele Desktop-Programme gibt es einfach nicht für iPadOS. Wir haben versucht, einen kompletten Arbeitstag nur mit dem iPad zu bewältigen: möglich, aber deutlich umständlicher als mit einem MacBook. Das Magic Keyboard, das weitere 349 Euro kostet, macht das iPad zwar zu einem Laptop-Ersatz in der Form, nicht aber in der Funktionalität.

Für Illustratoren, Grafikdesigner und Leute, die viel handschriftlich arbeiten, ist das iPad Air M3 mit Apple Pencil Pro ein exzellentes Werkzeug. Die Kombination aus Display-Qualität, Rechenleistung und Stift-Präzision funktioniert hervorragend. Für Office-Arbeiter, die hauptsächlich Texte schreiben und E-Mails beantworten, ist ein MacBook Air für ähnliches Geld die bessere Wahl. Das iPad Air fällt in eine merkwürdige Nische: zu teuer für Gelegenheitsnutzer, zu limitiert für Power-User, perfekt für die kleine Gruppe dazwischen.

Gaming funktioniert gut, allerdings ist die Auswahl an wirklich anspruchsvollen Spielen auf iPadOS begrenzt. Resident Evil Village läuft flüssig, sieht gut aus und zeigt, was der M3-Chip kann. Aber mal ehrlich: Wer kauft sich ein 800-Euro-Tablet primär zum Gaming? Dafür gibt es günstigere und bessere Alternativen.

Akku im Alltag

Apple verspricht bis zu 10 Stunden Videowiedergabe. Im Test haben wir diese Angabe ungefähr bestätigt: Bei gemischter Nutzung aus Safari-Browsing, YouTube, E-Mails und gelegentlichem Zeichnen in Procreate hält das iPad einen normalen Arbeitstag von 9 bis 18 Uhr durch. Gegen 19 Uhr zeigt die Anzeige dann meist noch 15 bis 20 Prozent an.

Bei intensiverer Nutzung sieht es anders aus. Videoschnitt in LumaFusion zieht ordentlich am Akku, nach drei Stunden intensiver Bearbeitung waren 60 Prozent verbraucht. Wer das iPad für anspruchsvolle kreative Arbeit nutzt, sollte das Ladekabel nicht vergessen. Im Vergleich zum iPad Pro M2, das wir parallel im Büro haben, ist die Akkulaufzeit minimal schlechter, aber nicht signifikant.

Das Laden dauert mit dem mitgelieferten 20-Watt-Netzteil von 20 auf 80 Prozent etwa 90 Minuten. Das ist okay, aber nicht beeindruckend. Mit einem stärkeren 30-Watt-Netzteil geht es etwas schneller, das iPad unterstützt aber keine wirklich schnellen Laderaten wie man es von Android-Tablets kennt. Drahtloses Laden gibt es nicht, was bei einem Tablet dieser Preisklasse aber auch niemand erwartet.

Was uns aufgefallen ist: Im Standby-Modus verliert das iPad kaum Akku. Über Nacht ohne Nutzung sind es maximal 2 bis 3 Prozent. Das ist vorbildlich und bedeutet, dass man das Tablet auch mal ein paar Tage liegen lassen kann, ohne es komplett leer vorzufinden. Bei älteren Android-Tablets war das oft ein Problem.

Fazit und Kaufempfehlung

Das iPad Air M3 ist ein sehr gutes Tablet, das aber ein klares Identitätsproblem hat. Für 799 Euro bekommt man erstklassige Hardware, exzellente Verarbeitung und mehr Rechenleistung, als die meisten Nutzer jemals brauchen werden. Gleichzeitig ist es zu teuer für Gelegenheitsnutzer, die nur Netflix schauen und im Web surfen wollen, und zu limitiert für Profis, die einen echten Laptop-Ersatz suchen.

Unsere klare Empfehlung: Kaufen sollten dieses iPad vor allem Kreative, die digital zeichnen, skizzieren oder unterwegs Fotos und Videos bearbeiten. Für diese Zielgruppe ist die Kombination aus M3-Chip, Apple Pencil Pro und dem guten Display ideal. Wer hauptsächlich Office-Arbeiten erledigt, Texte schreibt oder programmiert, fährt mit einem MacBook Air für ähnliches Geld deutlich besser. Und wer nur ein Multimedia-Tablet für Couch und Reise sucht, sollte zum iPad 10 für 450 Euro greifen oder zum Samsung Galaxy Tab S9 schauen, das oft günstiger zu haben ist.

Das größte Problem des iPad Air M3 ist das Preisgefüge bei Apple selbst. Das iPad 10 ist für viele Nutzer völlig ausreichend, das iPad Pro bietet für 350 Euro mehr deutlich mehr Features wie ProMotion-Display und bessere Kameras. Das Air sitzt in der Mitte und hat keine wirklich überzeugende Daseinsberechtigung außer für die sehr spezifische Zielgruppe der mobilen Kreativarbeiter mit begrenztem Budget.

Unser Urteil nach drei Wochen Test: Ein technisch hervorragendes Gerät, das aber nur für eine kleine Käufergruppe wirklich Sinn macht. Wer zu dieser Gruppe gehört, wird das iPad Air M3 lieben. Alle anderen sollten ehrlich überlegen, ob nicht ein günstigeres iPad oder ein MacBook die bessere Wahl wäre.

Technische Daten

Ram 8 GB
Gewicht 458g (11 Zoll)
Chip Apple M3 (8-Core CPU, 9-Core GPU)
Stift Apple Pencil Pro kompatibel
Display 11 oder 13 Zoll Liquid Retina
Anschluesse USB-C Thunderbolt 3

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