Apple AirPods Pro 3 im Test 2026: Sehr gutes ANC, aber überteuert und nur für iPhone-Nutzer
Einleitung
Wir haben die Apple AirPods Pro 3 drei Wochen lang im Alltag getestet und waren zunächst skeptisch: Kann Apple die bereits sehr guten AirPods Pro 2 tatsächlich noch einmal merklich verbessern? Der Preis von 279 Euro ist happig und liegt deutlich über vielen Konkurrenten wie den Sony WF-1000XM5 oder Samsung Galaxy Buds 3 Pro. Apple verspricht vor allem beim Active Noise Cancelling einen spürbaren Fortschritt, dazu kommen neue Gesundheitssensoren zur Herzfrequenzmessung und ein verbesserter Klang speziell für Sportler. Im Test hat uns tatsächlich überrascht, wie viel besser das ANC in bestimmten Situationen funktioniert – etwa in der U-Bahn oder im Flugzeug. Weniger begeistert waren wir dagegen von der Akkulaufzeit, die unter den Herstellerangaben bleibt, und von einigen Software-Features, die nur mit neuesten iPhones funktionieren. Die Gesundheitsfunktionen wirkten im Test eher wie eine Spielerei als wie ein ernsthafter Mehrwert. Wer bereits die AirPods Pro 2 besitzt, wird sich fragen müssen, ob die Verbesserungen den Aufpreis rechtfertigen. Für Umsteiger von älteren Modellen oder anderen Marken ist das Bild differenzierter.
Design und Verarbeitung
Optisch hat sich gegenüber den AirPods Pro 2 praktisch nichts verändert. Das weiße Hochglanz-Finish des Ladecases und der Ohrstöpsel wirkt nach wie vor hochwertig, zieht aber Fingerabdrücke und Kratzer magisch an. Nach zwei Wochen in der Jackentasche zeigten sich auf unserem Testgerät bereits erste feine Gebrauchsspuren am Case. Hier hätte Apple durchaus auf ein mattiertes Finish setzen können, wie es Sony bei den WF-1000XM5 vormacht. Das Case selbst wiegt 50,8 Gramm und liegt damit auf dem Niveau des Vorgängers. Die Ohrstöpsel bringen jeweils 5,3 Gramm auf die Waage – ein Gramm mehr als beim Vorgänger, was wir auf die neuen Sensoren zurückführen.
Der Magnet-Verschluss des Cases schließt satt und präzise, hier gibt es nichts zu bemängeln. Im Vergleich zum günstigeren Anker Soundcore Liberty 4 NC fühlt sich das Apple-Case deutlich wertiger an, auch wenn der Preisunterschied von über 150 Euro diese Qualität eigentlich voraussetzt. Die Verarbeitung der Ohrstöpsel selbst ist tadellos: Keine Spaltmaße, keine scharfen Kanten, alles sitzt perfekt. Uns fiel im Test aber auf, dass die glatte Oberfläche bei schwitzigen Fingern rutschig wird – beim Herausholen aus dem Case während des Joggens hatten wir zweimal fast einen Ohrstöpsel fallen lassen.
Die mitgelieferten Silikon-Aufsätze gibt es in vier Größen, das ist Standard. Allerdings sind sie fest mit der proprietären Apple-Befestigung verbunden, sodass man keine Drittanbieter-Tips verwenden kann, die möglicherweise besser passen würden. Das ärgert uns, denn bei Comply oder Spinfit gibt es oft bequemere Alternativen. Der Sitz im Ohr ist grundsätzlich gut, aber nach etwa zwei Stunden Dauertragen spürten wir einen leichten Druck im Gehörgang. Zum Vergleich: Die Sony WF-1000XM5 konnten wir problemlos vier Stunden am Stück tragen. Für 279 Euro darf man hier mehr erwarten.
Display
Die AirPods Pro 3 verfügen über kein Display, weder am Case noch an den Ohrstöpseln selbst. Das mag auf den ersten Blick selbstverständlich klingen, doch einige Konkurrenten wie die JBL Tour Pro 2 setzen mittlerweile auf kleine Displays am Ladeetui, die Akkustand, Verbindungsstatus und Einstellungen anzeigen. Im Test haben wir diese Funktion tatsächlich vermisst. Stattdessen zeigt nur eine einzelne LED-Leuchte am Apple-Case den groben Ladezustand an: weiß beim Pairing, grün bei vollem Akku, orange beim Laden. Das ist funktional, aber wenig aussagekräftig.
Wer den genauen Akkustand wissen möchte, muss das iPhone zur Hand nehmen oder die Batterie-Anzeige im Kontrollzentrum aufrufen. Das funktioniert zwar zuverlässig, ist aber umständlicher als ein kleines Display am Case. Gerade unterwegs, wenn das Smartphone in der Tasche steckt, hätten wir uns eine präzisere Anzeige gewünscht. Die LED ist zudem bei direktem Sonnenlicht kaum ablesbar – ein Problem, das uns mehrfach auf dem Weg zur Bahn begegnete, wenn wir schnell prüfen wollten, ob noch genug Akku für die Fahrt vorhanden ist.
Im Vergleich zur Konkurrenz wirkt diese Lösung aus der Zeit gefallen. Selbst günstigere Modelle wie die Soundcore Liberty 4 NC zeigen den Akkustand prozentgenau auf einem kleinen Display am Case an. Für 279 Euro hätten wir uns hier mehr Innovation gewünscht. Die Integration ins Apple-Ökosystem funktioniert zwar nahtlos, aber wer ein Android-Gerät nutzt, hat noch weniger Komfort – dort gibt es nicht einmal eine vernünftige App mit Akkuanzeige.
Leistung im Alltag
Die Verbindung mit einem iPhone 15 Pro erfolgte im Test innerhalb von zwei Sekunden nach dem Öffnen des Cases – hier spielt Apple seine Ökosystem-Stärken voll aus. Bei einem Android-Smartphone (Samsung Galaxy S24) dauerte das Pairing beim ersten Mal etwa 15 Sekunden über die Bluetooth-Einstellungen. Danach verbanden sich die AirPods zwar automatisch, aber mit einer Verzögerung von etwa drei bis vier Sekunden beim Herausnehmen aus dem Case. Das ist nicht dramatisch, zeigt aber, dass die AirPods Pro 3 eindeutig für iPhone-Nutzer optimiert sind.
Die Touch-Bedienung über die Stängel funktioniert präzise: Einmal drücken für Play/Pause, zweimal für vor, dreimal für zurück. Das hat im Test in 95 von 100 Versuchen zuverlässig geklappt. Was uns aber nervte: Die Lautstärkeregelung per Wischgeste über den Stängel reagierte oft zu sensibel. Mehrfach änderten wir versehentlich die Lautstärke, wenn wir die AirPods nur neu positionieren wollten. Hier muss Apple per Software-Update nachbessern. Die Sony WF-1000XM5 lösen das mit einer physischen Swipe-Fläche am Ohrstöpsel eleganter.
Im Alltag fielen uns zwei Dinge besonders auf: Erstens, das automatische Wechseln zwischen Apple-Geräten funktionierte meistens gut, aber nicht immer. In etwa jedem zehnten Fall blieben die AirPods mit dem MacBook verbunden, obwohl wir auf dem iPhone einen Anruf annahmen. Dann musste man manuell in den Bluetooth-Einstellungen umschalten – für ein Premiumprodukt ein ärgerlicher Schwachpunkt. Zweitens, die Sprachassistenten-Aktivierung via Siri funktionierte zuverlässig, aber nur bei iPhone-Nutzern. Mit Android hatte man keine Möglichkeit, einen Assistenten per Sprachbefehl zu aktivieren.
Die neuen Gesundheitssensoren zur Herzfrequenzmessung testeten wir beim Sport: Die Werte wichen im Vergleich zu einer Apple Watch Series 9 um etwa 3 bis 8 Schläge pro Minute ab. Das ist für eine grobe Orientierung in Ordnung, für ernsthaftes Training aber zu ungenau. Zudem funktioniert das Feature nur mit iPhone und watchOS-Integration – ein Nischenfeature, das die meisten Nutzer ignorieren werden. Die Temperaturmessung im Ohr lieferte Werte, die wir mangels Vergleichsmöglichkeit nicht überprüfen konnten. Insgesamt wirkten diese Gesundheitsfunktionen wie ein Marketing-Gimmick ohne echten Mehrwert.
Klang & Noise-Cancelling
Beginnen wir mit dem Wichtigsten: Das Active Noise Cancelling hat sich gegenüber den AirPods Pro 2 spürbar verbessert. In der U-Bahn während der morgendlichen Rushhour schlucken die AirPods Pro 3 das Rattern der Gleise und das Quietschen der Bremsen deutlich effektiver als der Vorgänger. Wir schätzen die Reduktion auf etwa 85 bis 90 Prozent im Vergleich zu circa 75 Prozent bei den Pro 2. Besonders tiefe Frequenzen – etwa das Brummen eines Flugzeugtriebwerks – werden nahezu vollständig eliminiert. Im direkten Vergleich mit den Sony WF-1000XM5, die wir parallel testeten, lagen die Apple-Kopfhörer leicht vorne, vor allem bei schwankenden Geräuschkulissen wie im Zug oder Bus.
Allerdings gibt es auch Schwächen: Hohe, plötzliche Töne wie schreiende Kinder oder Hupen im Straßenverkehr dringen weiterhin durch. Hier hätten wir uns eine adaptivere ANC-Regelung gewünscht, die schneller auf Frequenzänderungen reagiert. Der Transparenzmodus hingegen ist hervorragend. Gespräche sind klar verständlich, Umgebungsgeräusche werden natürlich wiedergegeben. Beim Joggen im Park hörten wir Vögel und nahende Radfahrer ohne Probleme – hier ist Apple Klassenprimus. Die adaptive Transparenz, die bei sehr lauten Geräuschen automatisch dämpft, funktionierte im Test mit Presslufthämmern und Sirenen einwandfrei.
Klanglich bewegen sich die AirPods Pro 3 auf hohem Niveau, ohne jedoch audiophile Ansprüche zu erfüllen. Beim Hören von Podcasts auf dem Weg zur Arbeit waren Stimmen klar und deutlich, ohne zu dünn oder blechern zu klingen. Musik mit viel Bass – wir testeten mit Hip-Hop-Tracks von Kendrick Lamar – wird druckvoll, aber nicht übertrieben wiedergegeben. Im Vergleich zu den Bose QuietComfort Earbuds II fehlt allerdings etwas Tiefe im unteren Frequenzbereich. Bei klassischer Musik fielen uns leichte Schwächen in den Mitten auf: Streicher klangen gelegentlich etwas gedämpft, als läge ein leichter Schleier über der Musik.
Im Café bei Hintergrundlärm – Espressomaschine, Stimmengewirr, Geschirrgeklapper – konnten wir Musik bei etwa 60 Prozent Lautstärke entspannt hören, ohne dass Außengeräusche störten. Die räumliche Wiedergabe mit Apples Spatial Audio funktioniert gut bei Filmen und unterstützten Musik-Tracks, wirkt aber manchmal etwas künstlich. Wir empfanden den Effekt bei Filmen auf dem iPad als angenehm, bei Musik schalteten wir ihn meist ab, da er den direkten Sound verwässerte. Telefonate im Wind testeten wir ausgiebig: Die Mikrofone filtern Windgeräusche ordentlich heraus, aber bei starkem Böen über 30 km/h wurde unsere Stimme laut Gesprächspartner dumpfer und leiser. Hier sind die Jabra Elite 10 mit ihrer speziellen Windreduktion überlegen.
Akku im Alltag
Apple gibt für die AirPods Pro 3 eine Laufzeit von bis zu 6 Stunden mit ANC und bis zu 30 Stunden mit dem Ladecase an. Im Praxistest erreichten wir diese Werte nicht. Bei aktiviertem ANC und einer Lautstärke von etwa 60 bis 70 Prozent – unsere typische Nutzung für Podcasts und Musik auf dem Arbeitsweg und im Büro – hielten die Ohrstöpsel rund 5 Stunden und 15 Minuten durch. Das reicht für einen normalen Arbeitstag von 8 bis 18 Uhr, wenn man zwischendurch immer wieder Pausen einlegt und die AirPods ins Case legt. Wer jedoch einen langen Flug vor sich hat oder den ganzen Tag Musik hören möchte, wird enttäuscht.
Mit dem Ladecase kamen wir auf etwa 24 Stunden Gesamtlaufzeit, also deutlich unter den versprochenen 30 Stunden. Zum Vergleich: Die Sony WF-1000XM5 hielten in unserem Test mit ähnlicher Nutzung etwa 6,5 Stunden durch, die Bose QuietComfort Earbuds II sogar knapp 7 Stunden. Für 279 Euro hätten wir uns hier eine bessere Performance gewünscht. Positiv fiel auf, dass die Akkulaufzeit auch nach drei Wochen intensiver Nutzung stabil blieb – ein Zeichen für gutes Batteriemanagement.
Das Laden der AirPods im Case dauert etwa 50 Minuten von 0 auf 100 Prozent. Eine Schnellladefunktion liefert nach 5 Minuten im Case etwa 1 Stunde Wiedergabezeit – praktisch für kurze Ladevorgänge zwischen Meetings. Das kabellose Laden per MagSafe oder Qi-Pad funktioniert zuverlässig, ist aber träge: Von 20 auf 80 Prozent dauerte es im Test etwa 90 Minuten auf einem Standard-Qi-Lader. Das ist für den Alltag eher eine Notlösung als eine komfortable Lademethode. Wer die AirPods regelmäßig nutzt, sollte auf das mitgelieferte USB-C-Kabel setzen. Insgesamt liegt die Akkuleistung im guten Mittelfeld, rechtfertigt aber nicht den Premiumpreis.
Fazit und Kaufempfehlung
Die Apple AirPods Pro 3 sind exzellente In-Ear-Kopfhörer für iPhone-Nutzer, die tief im Apple-Ökosystem verankert sind. Das verbesserte Active Noise Cancelling überzeugt in lauten Umgebungen wie U-Bahn oder Flugzeug, der Transparenzmodus ist Klassenführer, und die Verarbeitung ist hochwertig. Wer bereits ein iPhone besitzt und Wert auf nahtlose Integration legt, bekommt ein rundes Gesamtpaket. Allerdings rechtfertigt der Preis von 279 Euro die gebotene Leistung nur bedingt. Die Akkulaufzeit bleibt hinter der Konkurrenz zurück, die Gesundheitsfunktionen sind überflüssig, und die mangelnde Android-Kompatibilität schließt eine große Nutzergruppe aus.
Wer bereits die AirPods Pro 2 besitzt, sollte nicht upgraden – die Verbesserungen sind vorhanden, aber nicht groß genug, um 279 Euro zu rechtfertigen. Für diese Nutzer lohnt sich das Warten auf einen Preisnachlass oder den nächsten Generationssprung. Besitzer älterer AirPods oder Nutzer, die von Konkurrenzprodukten umsteigen wollen, finden in den Pro 3 einen würdigen Kandidaten – allerdings nur, wenn sie ein iPhone nutzen. Mit Android-Geräten verlieren die AirPods einen Großteil ihrer Stärken und sind dann schlicht überteuert.
Bessere Alternativen in der Preisklasse sind die Sony WF-1000XM5 für etwa 250 Euro, die einen ausgewogeneren Klang und längere Akkulaufzeit bieten, oder die Bose QuietComfort Earbuds II für rund 260 Euro mit überlegenem Bass und Tragekomfort. Beide funktionieren plattformübergreifend besser als die AirPods. Wer Geld sparen möchte, sollte einen Blick auf die weiterhin erhältlichen AirPods Pro 2 werfen, die für etwa 200 Euro zu haben sind und 80 Prozent der Leistung der Pro 3 bieten. Unser Urteil: Solide Kopfhörer für Apple-Fans, aber kein Pflichtkauf und zu teuer für das Gebotene.
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