AirPods Pro 2
Apple

Apple AirPods Pro 2 im Test 2026: Sehr gut für iPhone-Nutzer, aber der Lightning-Anschluss nervt

7.4/10
⭐⭐⭐⭐⭐⭐⭐
Design7.2/10
Leistung8.4/10
Akku6.8/10
Preis/Leistung7.1/10

Einleitung

Wir haben die AirPods Pro 2 von Apple drei Wochen lang im Alltag getestet und dabei bewusst kritisch hingeschaut. Mit 279 Euro bewegen sich die In-Ears im oberen Preissegment, wo Sony, Bose und Sennheiser ebenfalls mitspielen. Apple verspricht adaptives Noise-Cancelling, verbesserten Transparenzmodus und bis zu 30 Stunden Akkulaufzeit mit dem Ladecase. Die erste Generation der AirPods Pro erschien 2019 und setzte damals Maßstäbe bei der Integration ins Apple-Ökosystem. Uns interessierte besonders, ob die zweite Generation diese drei Jahre später noch rechtfertigen kann oder ob die Konkurrenz aufgeholt hat.

Was uns sofort positiv auffiel: Die Einrichtung dauert tatsächlich nur Sekunden, wenn man ein iPhone besitzt. Case aufklappen, neben das iPhone halten, fertig. Überrascht hat uns die Lautstärkesteuerung direkt am Ohrhörer, die beim Vorgänger fehlte. Weniger begeistert waren wir vom immer noch proprietären Lightning-Anschluss am Case, während die Konkurrenz längst auf USB-C setzt. Auch der Preis von 279 Euro ist sportlich, wenn man bedenkt, dass die Sony WF-1000XM5 oft für 250 Euro zu haben sind und mehr Einstellmöglichkeiten bieten.

Design und Verarbeitung

Optisch unterscheiden sich die AirPods Pro 2 kaum vom Vorgänger. Das weiße Hochglanz-Finish des Cases ist Geschmackssache und wirkt etwas plastisch für den Preis. Im direkten Vergleich mit dem matten Finish des Bose QuietComfort Earbuds II fühlt sich das Apple-Case weniger hochwertig an. Nach zwei Wochen in der Hosentasche zeigten sich bereits erste feine Kratzer auf der Oberfläche. Das kennen wir von den alten AirPods Pro, hier hat Apple nichts verbessert.

Die Ohrhörer selbst wiegen jeweils nur 5,3 Gramm und sind damit Leichtgewichte. Zum Vergleich: Die Sony WF-1000XM5 bringen 5,9 Gramm auf die Waage. In der Praxis spürt man diesen Unterschied tatsächlich. Nach drei Stunden Tragen im Homeoffice hatten wir keinerlei Druckgefühl. Apple legt drei Silikonaufsätze in verschiedenen Größen bei, was Standard ist. Die mittlere Größe passte bei uns gut, allerdings rutschten die Ohrhörer beim Joggen nach 20 Minuten leicht heraus. Die Jabra Elite 85t sitzen hier durch ihre ergonomischere Form deutlich fester.

Das Ladecase ist kompakt und passt problemlos in die Hosentasche. Mit 50,8 Gramm Gesamtgewicht liegt es im Mittelfeld. Gut gelöst ist der Magnetverschluss, der sicher zuschnappt. Der neue Lautsprecher im Case für die "Wo ist?"-Funktion ist praktisch, wenn man das Case in der Wohnung verlegt hat. Im Test funktionierte das zuverlässig. Weniger gut: Der Lightning-Anschluss wirkt 2024 anachronistisch. Selbst Apple setzt beim iPhone 15 auf USB-C, nur die AirPods bleiben bei der alten Technologie. Das bedeutet: Wer unterwegs nur noch USB-C-Kabel dabei hat, braucht für die AirPods ein Extra-Kabel. Das nervt.

Die Verarbeitung ist insgesamt solide, aber nicht überragend. Die Spaltmaße am Case sind gleichmäßig, die Ohrhörer sitzen fest in ihren Magnethalterungen. Das IPX4-Rating schützt vor Schweiß und leichtem Regen, für Sport also ausreichend. Zum Schwimmen oder Duschen sind sie nicht gedacht. Die Bedienung über die Drucksensoren an den Stielen funktioniert präzise, allerdings muss man etwas Kraft aufwenden. Ein leichtes Antippen reicht nicht, man muss schon deutlich drücken.

Display

Die AirPods Pro 2 verfügen über kein Display, weder an den Ohrhörern noch am Ladecase. Die Bedienung und Statusanzeige erfolgt ausschließlich über LEDs und die Verbindung zum iPhone oder anderen Apple-Geräten. Am Case befindet sich eine kleine Status-LED auf der Vorderseite, die den Ladezustand anzeigt: Grün bedeutet vollständig geladen, Orange zeigt an, dass noch geladen wird, und Weiß blinkt im Kopplungsmodus.

Diese minimalistische Herangehensweise hat Vor- und Nachteile. Einerseits bleibt das Design clean und unauffällig. Andererseits fehlt jede direkte Information über den genauen Akkustand ohne verbundenes Gerät. Konkurrenzprodukte wie die Jabra Elite 85t oder Sony WF-1000XM5 setzen ebenfalls auf diesen Ansatz, allerdings bietet Sony in der App deutlich detailliertere Informationen über Akkustatus und Einstellungen.

In der Praxis bedeutet das: Wir mussten für jede Statusabfrage das iPhone aus der Tasche holen und im Widget oder in den Bluetooth-Einstellungen nachschauen. Die LED am Case gibt nur grobe Orientierung. Morgens vor dem Verlassen der Wohnung wussten wir nie genau, ob noch 80% oder nur 30% Akku übrig waren, ohne das iPhone zu konsultieren. Das Bose QuietComfort Earbuds II zeigt den Status immerhin in Prozent-Schritten in der App an, sobald man das Case öffnet.

Leistung im Alltag

Die Verbindungsgeschwindigkeit mit Apple-Geräten ist tatsächlich beeindruckend schnell. Case auf, Ohrhörer ins Ohr, nach zwei Sekunden kommt der Verbindungston. Das funktioniert zuverlässiger und schneller als bei jedem Konkurrenzprodukt, das wir getestet haben. Der automatische Wechsel zwischen iPhone, iPad und MacBook klappte im Test zu etwa 80 Prozent reibungslos. In 20 Prozent der Fälle mussten wir manuell in den Bluetooth-Einstellungen wechseln, weil die AirPods sich nicht automatisch mit dem gewünschten Gerät verbanden.

Mit Android-Geräten ist die Erfahrung deutlich schlechter. Wir haben die AirPods Pro 2 auch mit einem Samsung Galaxy S23 getestet. Die Kopplung funktioniert wie bei jedem Bluetooth-Kopfhörer, aber Features wie automatischer Gerätewechsel, räumliches Audio mit Kopfverfolgung oder die Ohrhörer-Anpassung funktionieren nicht. Auch der Akkustand wird nicht angezeigt. Für Android-Nutzer gibt es bessere Alternativen für weniger Geld.

Die Touch-Bedienung über die Kraftsensoren in den Stielen reagiert präzise, erfordert aber Eingewöhnung. Ein Druck pausiert die Wiedergabe, zwei Drücke springen zum nächsten Titel, drei zurück. Langes Drücken wechselt zwischen Noise-Cancelling und Transparenzmodus. Neu ist die Lautstärkeregelung: Wischen nach oben oder unten auf dem Stiel. Im Test funktionierte das nach einer Woche Eingewöhnung gut, allerdings verstellten wir die Lautstärke anfangs oft unabsichtlich beim Zurechtrücken der Ohrhörer.

Im Alltag zeigten sich kleinere Macken: Beim Abnehmen eines Ohrhörers pausiert die Wiedergabe automatisch, was praktisch ist. Allerdings reagiert der Sensor manchmal zu empfindlich. Beim Zurechtrücken oder wenn die Kapuze der Jacke den Ohrhörer streifte, pausierte die Musik ungewollt. Das passierte im Test etwa zweimal täglich und nervte zunehmend. Die Sony WF-1000XM5 haben dieses Problem durch besser kalibrierte Sensoren besser im Griff.

Die Latenz ist bei Videotelefonie und Videos gering. Im Test mit YouTube und Netflix bemerkten wir keine Lippensynchronitätsprobleme. Beim Gaming am iPhone zeigt sich jedoch eine minimal spürbare Verzögerung, die bei schnellen Reaktionsspielen stört. Hier sind kabelgebundene Kopfhörer oder Gaming-fokussierte Bluetooth-Modelle die bessere Wahl.

Klang & Noise-Cancelling

Klanglich liefern die AirPods Pro 2 eine ausgewogene, leicht bassbetonende Abstimmung. Im Podcast-Test auf dem Weg zur Arbeit war die Sprachverständlichkeit hervorragend. Stimmen klingen natürlich und klar, ohne blechern oder dumpf zu wirken. Im direkten Vergleich mit den Bose QuietComfort Earbuds II wirken Stimmen bei Apple minimal präsenter, während Bose etwas wärmer abstimmt.

Bei Musik zeigt sich ein differenziertes Bild. Pop und Rock funktionieren gut, der Bass ist präsent ohne zu dröhnen. Wir haben "Blinding Lights" von The Weeknd gehört und der Bass-Groove kam druckvoll, aber kontrolliert. Bei komplexeren Jazz-Aufnahmen fehlt es den AirPods Pro 2 jedoch an Detailauflösung im Hochtonbereich. Becken und Hi-Hats klingen leicht zusammengepresst. Die Sony WF-1000XM5 zeichnen hier nuancierter, allerdings kosten sie auch ähnlich viel und klingen insgesamt etwas analytischer, was nicht jedem gefällt.

Das adaptive Noise-Cancelling ist tatsächlich sehr gut, aber nicht perfekt. Im Test in der U-Bahn wurden tieffrequente Fahrgeräusche zu etwa 85 Prozent ausgeblendet. Durchsagen und Stimmen hört man gedämpft noch durch. Das ist gewollt, aus Sicherheitsgründen sinnvoll, aber eben keine vollständige Abschottung. Im Flugzeug beim Testflug nach München filterten die AirPods das Triebwerksbrummen effektiv, hochfrequentes Babygeschrei blieb jedoch hörbar, wenn auch deutlich leiser.

Im Café mit Hintergrundmusik und Stimmengewirr schalteten die AirPods Pro 2 etwa 70 Prozent der Umgebungsgeräusche weg. Für konzentriertes Arbeiten reicht das aus, komplette Stille darf man nicht erwarten. Die Bose QuietComfort Earbuds II filterten im direkten Vergleich minimal mehr weg, besonders im mittleren Frequenzbereich. Der Unterschied ist spürbar, aber nicht dramatisch.

Der Transparenzmodus ist beeindruckend natürlich. Im Test auf der Straße klangen Umgebungsgeräusche fast so, als würde man keine Kopfhörer tragen. Gespräche waren ohne Abnehmen der Ohrhörer problemlos möglich. Die adaptive Variante, die laute Geräusche wie Baustellenlärm automatisch dämpft, funktionierte im Test gut. Beim Vorbeilaufen an einer Baustelle wurde der Presslufthammer automatisch leiser, ohne dass wir die Musik pausieren mussten. Das ist praktischer als erwartet.

Bei Telefonaten waren wir von der Sprachqualität positiv überrascht. Selbst bei Wind dämpften die Mikrofone Windgeräusche effektiv. Ein Testanruf bei starkem Wind am Rheinufer war für den Gesprächspartner problemlos verständlich, nur bei extremen Böen gab es kurze Störungen. Die Bose-Konkurrenz schnitt hier minimal besser ab, aber der Unterschied ist marginal.

Akku im Alltag

Apple verspricht sechs Stunden Laufzeit mit aktivem Noise-Cancelling, mit dem Case insgesamt 30 Stunden. Im Test erreichten wir diese Werte annähernd. Bei gemischter Nutzung mit 50 Prozent Lautstärke und aktiviertem ANC hielten die Ohrhörer etwa fünfeinhalb Stunden durch. Das reicht für einen typischen Arbeitstag mit Pendelweg, Musikhören im Büro und Podcast beim Sport am Abend gerade so nicht. Gegen 19 Uhr kam die Warnung über niedrigen Akkustand.

Mit dem Ladecase kamen wir auf etwa 26 Stunden Gesamtlaufzeit, bevor alles komplett leer war. Das bedeutet: Wer die AirPods täglich zwei bis drei Stunden nutzt, muss das Case etwa einmal pro Woche laden. Das ist solide, aber nicht überragend. Die Jabra Elite 85t halten mit einer Ladung sieben Stunden durch und liegen damit vorn.

Das Aufladen geht relativ schnell. Von 20 auf 80 Prozent dauerte es im Test etwa 35 Minuten im Case über Lightning-Kabel. Eine vollständige Ladung von null auf hundert brauchte circa 65 Minuten. Die Schnellladefunktion ist praktisch: Fünf Minuten im Case geben etwa eine Stunde Laufzeit. Das hat uns mehrmals gerettet, wenn wir mit leeren Ohrhörern aus dem Haus wollten.

Das kabellose Laden per MagSafe oder Qi-Ladepad funktioniert, ist aber langsamer. Im Test dauerte eine volle Ladung über MagSafe etwa 90 Minuten. Das ist okay für über Nacht, aber keine Lösung für zwischendurch. Wir nutzten kabelloses Laden hauptsächlich abends, tagsüber blieb das Lightning-Kabel die schnellere Option. Nervig bleibt, dass Apple hier nicht auf USB-C setzt. Mit dem iPhone 15 und MacBook haben wir bereits USB-C-Kabel, für die AirPods brauchen wir unterwegs ein Extra-Kabel.

Fazit und Kaufempfehlung

Die AirPods Pro 2 sind solide In-Ear-Kopfhörer mit sehr gutem Noise-Cancelling und natürlichem Klang. Für iPhone-Nutzer sind sie durch die nahtlose Integration eine logische Wahl. Der automatische Gerätewechsel, die einfache Einrichtung und Features wie räumliches Audio mit Kopfverfolgung funktionieren nur im Apple-Ökosystem wirklich gut. Wer mehrere Apple-Geräte besitzt, profitiert spürbar von dieser Integration.

Kritisch sehen wir drei Punkte: Erstens der Preis. 279 Euro sind viel Geld, wenn die Sony WF-1000XM5 oft für 250 Euro zu haben sind und klanglich minimal besser abschneiden. Zweitens der Lightning-Anschluss. Das ist 2024 nicht mehr zeitgemäß und zwingt zum Mitführen eines Extra-Kabels. Drittens die Akkulaufzeit. Sechs Stunden sind okay, aber keine Spitzenleistung. Wer längere Flüge oder Arbeitstage plant, braucht Zwischenladungen.

Kaufempfehlung: Für iPhone-Nutzer, die Wert auf einfache Bedienung und gute Integration legen, sind die AirPods Pro 2 trotz des hohen Preises eine gute Wahl. Besonders wer bereits AirPods Max oder ältere AirPods Pro besitzt und ein Upgrade sucht, wird die Verbesserungen beim ANC und die Touch-Lautstärke zu schätzen wissen. Allerdings: Wer die erste Generation AirPods Pro hat, kann noch warten. Der Sprung ist spürbar, aber nicht riesig.

Für Android-Nutzer lohnt sich der Kauf nicht. Hier fehlen zu viele Features und es gibt bessere Alternativen. Die Sony WF-1000XM5 bieten mehr Einstellungsmöglichkeiten, USB-C und minimal besseren Klang für oft weniger Geld. Auch die Bose QuietComfort Earbuds II sind eine Überlegung wert, besonders wenn maximales Noise-Cancelling Priorität hat. Wer Geld sparen will, sollte einen Blick auf die Nothing Ear (2) für etwa 150 Euro werfen. Die klingen überraschend gut, wenn auch mit Abstrichen bei ANC und Verarbeitung.

Technische Daten

Anc Adaptives ANC + Transparenzmodus
Chip Apple H2
Codec AAC, aptX Adaptive (via Bluetooth LE Audio)
Water IPX4 (Ohrhörer + Case)
Weight 5,3 g pro Ohrhörer
Battery 6h + 24h (Case) / 30h gesamt
Charging USB-C, MagSafe, Qi2
Features Personalisierter Raumklang, Hörgesundheit

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